Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

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jene richterlichen Untersucher der Vergangenheit nicht gestellt werden
kann. Macaulay, der in seinem Essay über Hallam's
Constitutional History ebenfalls die unpartheiische, ruhige Rich-
terhaltung des Verfassers preist, kann in den eignen Arbeiten,
soweit sie die englische Staatsgeschichte berühren, zu dieser ru-
higen Würdigung nicht kommen. Der nicht ganz ungegrün-
dete Vorwurf, daß bei ihm oft der Rhetor den Historiker in den
Hintergrund drängt, fällt bei staatsrechtlichen Gegenständen dop-
pelt schwer in's Gewicht. Von Lord John Russell'S Essay on
tde Englislt ttovernment and Constitution front tlie reign of
Henry VII (2. Ausgabe 1823) ist hier ebenfalls nicht weiter zu
reden. Das Werk gehört der politischen, nicht der rechtshistori-
schen Literatur an, wenn der Verfasser selbst vielleicht auch an-
derer Meinung war. Eine kleine Schrift von Professor Ereasy:
Ille Textbook of Ute Euglish Constitution (1848), enthaltend
Magna Charta, Confirmatio Chartaruin etc. mit Erläuterungen, ist
weder ihres Gegenstandes, noch ihres Verfassers würdig und jetzt
völlig vergessen.
Sind so von selbstständigen Werken nur Hallam's und Allen's
Arbeiten hervorzuheben, so ist es um so mehr zu bedauern, daß
sie trotz ihrer zahlreichen Auflagen in den Bibliotheken unbenutzt
stehen, von Wenigen gekannt, von noch Wenigeren zu Gegen-
ständen ernsteren, selbstständigen Studiums gemacht werden.
Wir wundern uns daher gar nicht, daß der Verfasser der uns
vorliegenden kleinen Schrift sich „eine englische Uebersetzung vor-
behält." Enthielte sie auch nichts, als eine präcise Darstellung der
von Hall am und Allen gewonnenen Resultate, sie würde schon
so eine große Lücke in der englischen Staatsrcchtsliteratur aus-
füllen können. Doppelt willkommen muß sie aber in ihrer deut-
schen Gestalt für Deutsche sein. So Ausgezeichnetes auch deutsche
Gründlichkeit auf Gebieten der eigentlichen Rechtsgeschichte geleistet
hat — man vergegenwärtige sich nur Biene r's Verdienste um die
Geschichte der Jury — für das Staatsrecht von England und
seine Geschichte sind wir immer noch auf fremde Leistungen ange-
wiesen. Höchstens daß die angelsächsische Vorgeschichte der eng-
lischen Rechtsinstitutionen wegen ihrer Verwandtschaft mit den
altgermanischen Zuständen etwas näher in's Auge gefaßt wurde.

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