Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

406 Walter, System des gemeinen deutschen Privatrechts.
die Anschauungen deffelben auf der Grundlage geschichtlicher Zeug-
nisse mittelst der Consequenz gewonnen sind. Nach dem Vers. (S. 1)
hängt die Natur jedes positiven Rechts von der Beschaffenheit seiner
Quellen ab. Insofern das heißen soll: der Geist der in der realen
Quelle, derjenigen, welche das Recht erzeugt, waltet, seine Be-
fähigung und seine Richtung, bestimmt die Natur des Rechts, so
ist das allerdings richtig. Allein daß das nicht die Meinung des
Verf. ist, zeigt sich darin, daß er von dieser Bemerkung Veran-
lassung nimmt, den Zustand der Erkenntnißquellen des Rechts
in der Mitte des 18. Jahrhunderts zu skizziren. Jener Satz des
Verf. hat also den Sinn: die Beschaffenheit der Darstellung
eines Rechts hangt ab von der Beschaffenheit der Erkenntnißguel-
len, welche ihrem Urheber zu Gebote stehen. Solche Jdentifici-
rung der Darstellung mit dem Rechte setzt indeß einen Standpunkt
voraus, der in dem Buchstaben die Wirklichkeit sieht, statt ihn
als Mittel zur Erkenntniß der Wirklichkeit zu benutzen, und zu
einer rcgistratorischen Behandlung des Inhalts hindrängt. Eine
Behandlung dieser Art löset das Recht, oder das, was sie als
Rechtsgestaltung gibt, ab von dem Gepräge, welches die geschicht-
liche Wurzel des Rechts ihm verliehen hat. Wer hieran keinen
Anstoß nimmt, wird sich mit dem Buche des Verf. befreunden.
Man sindet dann die Lücke, die durch jenes Ablösen in der Er-
kenntniß der Ursachen der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen des
Rechts sich fühlbar machen kann, bisweilen in ganz gemüthlicher
Weise ausgefüllt. So heißt es (S. 185): an großen Strömen
und Flüssen kann in Wahrheit nicht von einem Eigenthum, weder
des Staates noch der Privaten, die Rede sein, weil hier der Stoff
viel mächtiger ist, als die Herrschaft des Willens, die daS
Wesen des Eigenthums ausmacht. — So weit der Verfasser. —
Allein der Stoff soll sich ja dem Willen des Eigenthümers nicht
fügen. Wäre dies erforderlich, wie sollte denn Eigenthum an
massenhaften Felsen oder an unbändigen Rossen bestehen? Auf
der andern Seite kann man aber auch den Stoff der Ströme einem
solchen Willen unterwerfen, man kann sie abgraben, eindämmen,
ihnen andere Richtung geben. Es soll sich vielmehr nur der Wille
anderer dem Willen des Eigenthümers fügen, indem er seine Ver-
wirklichung vom Stoffe des Eigenthums ausschließen läßt. Aber

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