Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

384 Paul, die Lehre von den Verträgen im Allgemeinen.
in den Stand zu setzen, zu beurtheilen, welche wohlfeile Juris-
prudenz geliefert wird.
Die Natur der Klagen aus Zwang, Betrug und Jrrthum
waren bei uns von Anfang zweifelhaft. Grävell und Bielitz
stempelten dieselben zu actiones rem in scriptae. Bornemann
unterschied Anfangs, ob der Dritte in gutem oder bösem Glauben
war, und machte davon die Statthaftigkeit der Klagen gegen diesen
abhängig. Diese Theorie hat er selbst wieder zurückgenommen, weil
die Redlichkeit des Dritten nicht auf die Zulässigkeit oder Unzu-
lässiigkeit der Vindication, sondern nur auf die Nebenverflichtungen
des Vindicanten von Einfluß ist. Schrott er ließ beim Zwang
und Betrug die Vindication gegen den Dritten zu, wogegen er
bei dem Jrrthum das Gegentheil annahm. Koch berichtigte die
Lehre dahin:
1) Die Erklärungen, durch Zwang oder Furcht veranlaßt, sind
ipso jure ungültig, weshalb auch bet uns die actio quod
metus causa in rem scripta ist.
2) Die durch Betrug veranlaßten Willenserklärnngen sind nicht
ipso jure ungültig. Das Eigenthum geht auf jeden Betrüger
über, folglich auch auf den Dritten, weshalb die Rückfor-
derung von diesem nicht stattfindet.
3) Der wesentliche Jrrthum macht das Geschäft nicht ipso jure
ungültig, sondern nur unverbindlich, weshalb hier dasselbe
gelten muß, was bei dem Betrug gesagt ist.
Bornemann monirte dagegen, daß die Unterscheidung zwischen
ipso jure und per exceptionem ungültigen Geschäften im vaterlän-
dischen Rechte nicht recipirt sei, weshalb dieselbe keinen Entschei-
dungsgrund abgeben könnte. — Er machte ferner bemerklich, daß
die Betrugsklage in rem wirke, weil der Betrüger wie der Zwin-
gende aus der unerlaubten Handlung (§. 35. I. 3) keine Rechte,
folglich auch nicht das Eigenthum überkommen könne, und stellte
auf diese Weise die Schrötter'sche Theorie wieder her, welche auch
von der Praxis befolgt wird. — Hiermit ist nun zu vergleichen,
was der Verfasser im §. 33a sagt, welcher ganz neu eingeschoben
zu sein scheint. Dort wird die längst aufgegebene Meinung Bor-
neman ns mit vieler Sicherheit reprobirt. Von dem gegenwärtigen
wissenschaftlichen Standpunkt der Lehre ist dagegen keine Rede.

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