Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

30. Otto, Vom Versuch der Verbrechen, eine juristische Abhandlung

Otto, vom Versuch der Verbrechen.

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Vom Versuch der Verbrechen, eine juristische Abhandlung von Georg
Ernst Otto, K. S. Oberbergrath. Leipzig 1854, bet B. G. Tcubner.
gr. 8 und 102 S. gr. 15.
Der Vers, ist während seiner Thätigkeit als vicarirender Ge-
richtsvorstand, durch einen Fall, in welchem nach seiner Ansicht die
Vorbereitung eines Diebstahles überraschend hart bestraft wurde,
veranlaßt worden, der Lehre vom Versuche der Verbrechen näher
nachzuforschen und veröffentlicht nun die von ihm zusammengestellte
Theorie.
Wir glauben auf diese Schrift aufmerksam machen zu müssen
und dieselbe empfehlen zu sollen. Klarheit und Schärfe der Ent-
wicklung zeichnen sie ebenso aus, wie Leichtigkeit der Sprache und
Kürze in der Darstellung. Hier und da wäre eine größere Berück-
sichtigung entgegenstehender Autoritäten und tieferes Quellenstudium
zu wünschen.
Völlig neu scheint uns die Begriffsbestimmung des naben und
entfernten Versuches zu sein, die der Verfasser gibt. Er argumen-
tirt so: „Jeder menschlichen Thätigkeit muß ein Ueberlegen vor-
auögehen, welches, zum Abschlüsse gebracht, Vorsatz heißt. Aus
dem Vorsatze folgt keineswegs von selbst die Erreichung des vor-
gestelltcn Zieles, der Mensch muß vielmehr das Gewollte durch
seine Thätigkeit vermitteln. Diese Vermittlung fällt in die Vor-
bereitung, welche die Erscheinung des Vorsatzes möglich macht,
und in die Ausführung, welche ihn darstellt. Wenn die Ver-
mittlung noch vor Erreichung des Zieles abgebrochen oder been-
digt wird und in solchem Entfcrntsein vom Ziele als etwas für
sich Bestehendes vorliegt, so nennt man diesen Zustand Versuch.
Der Versuch eines Verbrechens ist hiernach die sinnlich wahr-
nehmbare, in der Absicht, daß in ihrem mittel- oder unmittel-
baren Gefolge eine bestimmte verbrecherische Thatsache dargestellt
werde, geäußerte, noch vor dem Dargestelltsein dieser Thatsache
aber beendigte Thätigkeit. Bewegt sich der thätig werdende ver-
brecherische Wille auf dem Gebiete der Vorbereitung, so ist ent-
fernter Versuch vorhanden, tritt derselbe über in die Ausführung,
dann liegt naher Versuch vor. Bet dem entfernten Versuche sind
aber vom Standpunkte des Gegenstandes ans, an welchem das
Verbrechen verübt werden soll, zwei Unterarten zu unterscheiden.

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