Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

356 Becker, Die prozessualische Consumption.
Richtung hin durchzuführen suchte (ekr. kr. 40. v. de proe. 3,3. —
fr. 5. D. h. t.). Wir finden noch Spuren dieser Entwicklung in
dem vielbesprochenen kr. 7. 0. I». t. von Ulpian, dessen Erklärung
wir versuchen wollen.
Man hat Ulpian mehr als einmal das Dunkle und Zwei-
deutige dieser Stelle vorgeworfen; man hat ihn beschuldigt, daß
er verschiedene Dinge durcheinander warf, zwischen verschiedenen
Bedeutungen der exc. rei jud. schwankte. Richtiger wird es sein,
wenn wir annehmen, daß das Unzusammenhängende und Mangel-
hafte in unserer Stelle eine Folge des ungeschickten Zusammen-
ziehens der Compilatoren war. Doch tritt, wie uns dünkt, der
Grundgedanke des Juristen immer noch klar genug hervor. Ulpian
fordert zur Wirksamkeit der exc. rei jud. Identität des Klagobjekts
mit dem beurtheilten Anspruch und stellt darüber Untersuchungen
an, wann solche anzunehmen sei. Vom gewöhnlichen Fall, in
welchem das Streitobjekt bereits eingeklagt und abgeurtheilt war,
geht er dabei aus.
Er beginnt mit dem Satz: Identität des Objekts ist auch
dann anzunehmen, wenn früher das Ganze eingeklagt wurde, jetzt
aber ein einzelner Theil gefordert wird; durch das Urthcil über
das Ganze war zugleich über den Anspruch an den einzelnen Thei-
len geurtheilt; kr. 7. pr. nec interest utrum in corpore hoc
quaeratur an in quantitate an in jure; vgl. fr. 13. D. h. t. Diesen
Satz wendet er dann auf sehr verschiedene Fälle an, einmal steht
die exceptio entgegen, wenn geradezu eine pars eines früher voll-
ständig eingeklagten Grundstückes gefordert wird. Nicht weniger,
wenn zwar früher der fundu8 Sempronianus, jetzt der fundus Ti-
tianus eingeklagt wurde, die Verschiedenheit aber nur scheinbar ist,
indem letzterer Theil des ersteren war. Aber es finden sich noch weit
schwierigere, zweifelhaftere Fälle (wir glauben mit Savigny,
Bd. 6, S. 505, daß hier mit Item si der §. 1 zu beginnen ist;
jedenfalls ändert dies nichts am Sinn). Ist auch dann Identität
des Objekts anzunehmen, wenn durch die Trennung nicht nur dem
Namen, sondern dem Wesen nach ganz verschiedene Objekte ent-
standen sind? Ist es als idem corpus zu betrachten, wenn Jemand
früher einen fundus, jetzt aber aus diesem fundus ausgesetzte Bäume
einklagt, wenn Jemand früher ein Haus eingefordert hat, jetzt

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer