Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

352 Becker, die prozessualische Consumption.
deS zweiten die exc. rei ante pigneratae entgegenstellte mit der-
selben aber unterlag, wenn er später die a. hypothecaria ansteüt, die
exc. rei jud. entgegengestellt werden, kr. 19, kr. 30, §. 1. v. h. t.
Auch dies nahm man nicht deßwegen an, weil, wie der Vers.
(S. 127) annimmt, das Vorbringen der „Einrede" als actio
galt und daher „consumirt" wurde, sondern einfach deßwegen, weil
bereits über die Priorität des Pfandrechts, die der Beklagte bei seiner
Defension zur Verhandlung brachte g e u r t h e t l t ist (eandem quaes-
tionem revocat). Daher erklärt sich denn auch, daß die exe. rei jud.
Platz greift, wenn eine Forderung zur Compensation gebracht, bei
dieser Gelegenheit aber verworfen wurde, kr. 8, §. 2 D. de neg.
gest. 3, 5 (quasi re judicata amplius agi non potest) fr. 7, §. 1,
D. de compens 16, 2 kr. 1 §. 4, v. de contr tut. a. 27, 4. Wir
können in diesem Vorbringen in keiner Weise, wie der Verf.
S. 127 annimmt, ein „Deduciren in judicium," ein Einklagen sehen;
aber nachdem man allmählig sich gewöhnt hatte, den Richter für
competent zu halten, über eine zur Compensation gebrachte Gegen-
forderung zu entscheiden, so erzeugte ein Urtheil übereine solche
Rechtssache natürlich die exe. rei jud.
2. Auch abgesehen von dieser Verwechslung der Parteirollen,
ist doch die Frage, über welche Prozeßsache bereits geurt heilt
sei, durchaus nicht immer congruent mit der Frage, welche Prozeß-
sache bereits ein geklagt sei. Es findet sich der Grundsatz an-
erkannt, daß zwar das condemnatorische Urtheil nur die cingeklagte
Prozeßsache selbst erledigt, daß aber das ab so ln torische den
Beklagten nicht nur von der eingeklagten Prozcßsache absolvirt,
sondern auch von allen Klagansprüchen befreit, deren Nichtvor-
handensein als eine logische Consequenz des Nichtvorhanden-
seins des eingeklagtcn Rechtsanspruchs selbst betrachtet^werden muß;
man nahm an, daß dem Kläger alle diese Ansprüche bereits indirekt
durch die Verneinung seiner Klage abgcsprochen seien. Darin lag
allerdings eine Erweiterung der Wirkung des Urtheils, aber eine
solche, welche durch das praktische Bedürfniß und eine vernünftige
Consequenz mit Nothwendigkeit gefordert wurde. In folgenden
Anwendungen offenbart sich dies Prinzip.
a) Wer eine Vindication pro parte angestellt hatte und damit
obsiegte, der konnte natürlich die Thetlungsklage später noch an-

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