Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

340 Becker, Die prozessualische Consumption.
haben sie mit Eifer bearbeitet und doch sind nicht einmal die wesent-
lichsten Grundlagen nach allen Seiten hin überzeugend festgestellt.
Gerade in der neuen Erscheinung, die wir hier zu besprechen haben,
wird mit eindringlicher, zuweilen unwiderleglicher Kritik selbst das,
worüber man ziemlich allgemein einverstanden war, angegriffen und
ein selbstständiges System begründet. In Manchem stimmen wir dem
Verf. bei, in Vielem können wir uns nicht für überzeugt halten.
Aber wo dies auch nicht der Fall ist, muffen wir doch überall die viel-
seitige Kenntniß des Verf., die Schärfe seiner Argumentation,
die Unabhängigkeit seiner Untersuchungen, in denen sich allenthalben
interessante Bemerkungen über römischen Prozeß, römisches Recht
und Leben ausgestreut finden, anerkennen. Zm Folgenden wer-
den wir die wichtigsten der aufgcftclltcn Sätze einer Prüfung unter-
ziehen und daran einige selbstständige Ausführungen knüpfen.
I. Wohl in jedem ausgebildcten Rechtszustand ist eine Ein-
richtung getroffen, wodurch die beständige Erneuerung eines ein-
mal abgeurtheilten Prozesses verhindert, eine wiederholte Belästi-
gung des Gegners, des Richters wegen derselben Sache verhütet und
damit auch der Gefahr widersprechender Entscheidungen über dasselbe
Rechtsverhältniß vorgebeugt wird. In der classischen Zeit finden sich
bei den Römern zu diesem Behuf bekanntlich sehr strenge und durch-
greifende Rechtssätze. Gajus theilt uns bei der Darstellung des
Obligationenrechts mit Gaj. III, 181: si legitimo judicio debituni
petiero, postea de eo ipso jure agere non possum ... si imperio
continenti judicio egerim . .. debeo per exceptionem rei judicatae
vel in judicium deductae summoveri.
Eine Obligation, die einmal eingcklagt war, konnte, was
auch das Resultat der ersten Klage war, niemals wieder vom
Schuldner gültig eingeklagt werden; ebenso verhielt es sich bei
Rechtsverhältnissen anderer Art. Gaj. IV, 106 —108. Der Be-
klagte fängt dagegen von diesem Augenblick an teneri litis con-
testatione, er ist nun in der Lage, rechtskräftig nach Maaßgabe
der Formel vom Richter verurtheilt zu werden (post litem con-
testatam debitorem condemnari oportere). Damit wird nicht, wie
der Verf. S. 298 annimmt, die Verbindlichkeit zu einer Leistung
des Beklagten, dem detendere, sondern die Nothwendigkeit zu einem
Dulden, zum über sich Ergehenlaffen eines rechtskräftigen Urtheils

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