Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

336 Roßbach, Untersuchungen über die römische Ehe.
Wesentlichste, während die vorangehenden und folgenden Hand-
lungen späterhin entweder ganz wegfielcn oder nur andeutungs-
weise beibehaltcn wurden. Als Opferthier diente ursprünglich das
Schwein (wovon herzuleiten, daß die Braut bei dem Eintreten in
das Haus des Bräutigams die Thürpfosten mit Schweinefett be-
strich), später das Schaf. Gebete und Umwandeln des Altars
mit Wasser und Feuer gingen dem Opfer vorher; vgl. Val. Flacc.
VIII, 242. Letzteres übergeht Becker und berichtet irrigerweise, die
auspices hätten den Neuvermählten die Gebetformeln vorgesagt;
bei der eoukarreatio wenigstens war das Sache der pontitiees. Das
Umwandeln kam, nur in entgegengesetzter Richtung, auch bei der
Leichenfeier vor, es war hier wie dort eine Art Lustration, wie
die Ambarvalien. Bei dem Opfer hielt der camillus den Korb
(cumerum, aus Flechtwerk) mit der mola. Jenen Namen trugen
in altern Zeiten die Kinder als Ministranten bei häuslichen Opfern,
bei der Hochzeit erhielt sich aber am längsten der Name und diese
Bestimmung: man darf nur nicht dic camilli mit dem samothra-
cischen Gott Camillus nach dem Vorgang des Hiony8. Hai. II, 22
identificiren. Das Niedersitzen der Braut auf der pellis lanata (Plut.
Q.R. 31), welches nach dem Opfer folgte, scheint auf den alten Brauch
zurückzugehen, der bei der conkaneatio vorkam, wo beide Brautleute
auf dem Fell des geschlachteten Schafes sich niederließen. Hierauf be-
gann das Mahl, welches zu Cicero's Zeit (all tzu. kr. II, 3, 7) auch
im Haus des Bräutigams Statt haben konnte , ursprünglich aber nur
in dem der Braut vor sich ging.
Mit einigem Widerstreben ergibt sich die Jungfrau dem ihr
noch wenig bekannten Manne, dieser muß sie scheinbar gewaltsam der
Mutter entreißen, in deren Schooß sic sich geflüchtet hat. Consuswar
der Gott, unter dessen Obhut dieser Raub begangen wurde. Er ist
nämlich Ü6U8 Consevius, neben welchem eine Saatgöttin Consiva be-
steht, und dem 8aturnu8 verwandt; alle diese Namen stammen von
der Wurzel 8a — säen ab, und ihr Walten erstreckt sich auf jede Art
von Befruchtung. Die Altäre dieser Götter waren unter der Erde
verborgen und wurden nur an ihren Festtagen anfgedeckt. Vgl. Plut.
Rom. 14. Dionys. II, 31. Auch die dem Consns gefeierten Wettspiele
erweisen ihn als einen der agrarischen Götter; denn diesen (wie dem
Mars, der Ceres, der Flora) gehören jene fast ausschließlich an.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer