Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

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meinen Leben mit: „unter Beweis stellen" bezeichnet wird, (Angabe
von Beweismitteln) und kommt erst S. 175 und 189 auf die
eigentliche technische Bedeutung zurück. Unzweifelhaft wird bet der
Lehre vom Mandatsprozesse unter Berücksichtigung des § 3 der
Verordn, von 1833 zum dritten Male der Begriff Bescheinigung
zur Sprache kommen. Die Materie wird in dieser Behandlungs-
weise wenigstens für den angehenden Praktiker sehr schwer zu-
gänglich, und der Recensent hat seinen Schülern, welche sich genau
an die Anleitung halten, über das eigentliche Wesen der Sache
schon manche Belehrung erthcilen müssen.
In Beziehung auf die formelle Behandlung des Stoffs kommen
drei Momente zur Sprache.
Die Anlage im Grossen ist nach den vorliegenden beiden Heften
für gelungen zu erachten. Die einzelnen Kapitel reihen sich in
einer sehr sachgemäßen Ordnung an einander. Die logische Be-
handlung einzelner Theile ist dagegen nicht durchweg tadelfrei.
Der § 34 führt die Ucberschrift Vortrag der Duplik. Es sind
aber darin drei ganz allgemeine Vorschriften enthalten, welche gar
nicht hieher gehören, oder doch der Ueberschrift nicht entsprechen.
Im § 64 wird der Requisitiensbeweis sub C mit dem Eides- und
Zcugen-Beweis u. s. w. in eine Kategorie zusammengestellt. Diese
Zusammenfügung hat ebenfalls keinen sachlichen Grund für sich.
Die Formulare der Anleitung sind nach Form und Inhalt nicht
blos gut gewählt, sondern auch aus dem Leben gegriffen, und
leisten den angehenden Praktikern die vortrefflichsten Dienste. Die
S. 106 u. 107 mitgetheilten Berichte können in jeder Beziehung
als Muster dienen. Beide sind in Prozesssachen des Königsberger
Stadtgerichts abgefafit, und aus der Feder des Verfassers geflossen.
Dieser Umstand ist hier allgemein bekannt. Es ist daher nicht
gerechtfertigt, dass der Verfasser beide Berichte von andern Orten
datirt hat. Darin liegt ein Mangel an Aufrichtigkeit, welchem
wir unfern Beifall versagen müssen.
Rücksichtlich der Sprache bleibt endlich das Meiste zu wünschen
übrig. Der Verfasser bricht im § 38 über den alten Curialstyl
und den Gebrauch der Fremdwörter den Stab, und verschafft die-
sem Prinzip nur in den Formularen eine durchgängige Geltung.
Wir tadeln nicht, daß die juristischen Kunstausdrücke überall, ge-

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