Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

322 Neue Zeitschriften für praktische Rechtswissenschaft.
die Kläger abgewtesen; das wohl begründete Urtheil zweiter In-
stanz, der Juristen - Fakultät zu Berlin, sprach den Klägern die
Güter zu. Gegen dieses Urtheil hat der Fiskus die Oberappellation
eingelegt, und nun tritt Emmtnghaus, der Richter, auf dessen
Relation das in Berlin reformirte Urtheil abgegeben wurde, in
dem angeführten „Rechtsfall rc." überschriebenen Aufsatze in die
Schranken, und versucht, das aus seiner Feder hervorgegangene
Urtheil zu rechtfertigen, das Berliner als unbegründet darzustellen.
Einem Vertreter von Parteiintereffen steht es wohl an, Urtheile,
welche seiner Partei günstig sind, in der Presse zu vertheidtgen
und advokatisch die Widerlegung ungünstiger Urtheile zu versuchen;
einem Richter aber geziemt es nicht, von rechtskräftig ent-
schiedener oder sonst erledigter Sache das wesentlich unter seiner
Mitwirkung als Referent erlassene, in höherer Instanz reformirte Ur-
theil durch die Presse zu vcrtheidigen und das reformatorischc Urtheil
anzugreifen. Wollen wir hier die anempfohlcne gebührende Diskretion
mit Schicklichkeitsgefühl übersetzen, so dürfen wir sagen, dieses hatte
in dieser Sache um so zarter sein müssen, als dem Herz, sachsen-wei-
marischen Richter denn doch der Gedanke nahe liegen mußte, daß
man seinen Deduktionen die Absicht unterlegen könnte, gegenüber
dem Berliner Urtheile seiner Meinung den Sieg zu verschaffen und
zu diesem Ende auf die dritte Instanz zu influiren. Aehnliches
stnden wir nicht in der ersichtlich mit Umsicht redigirten braun-
schweigischen Zeitschrift, deren bisherige Leistungen wesentlich ob-
jektiv gehalten sind.
Unter den ermüdenden mannichfachen Berufsarbeiten der Prak-
tiker kann man die Neigung, umfangreiche Abhandlungen zu stu-
diren, bei wenigen von ihnen, oder wenn auch wohl bei den Rich-
tern höherer Instanzen, doch nicht bei Unterrichter» und Advokaten
voraussetzen. Zeitschriften, welche solche Abhandlungen bringen,
werden von den Praktikern in der Regel ungelesen in das Bücher-
Repofitorium gestellt, und nur wenn das Bedürfniß es mit sich
bringt, zu Rathe gezogen. Ungelesen wird die braunschweiger
Zeitschrift bet ihrem Publikum nicht bleiben. Die Mittheilungen
derselben, von Praktikern ausgegangen, behandeln kurz und klar
mannichfache wirklich praktische Fragen auf eine Weise, daß sie
dem, welchem Lust oder Muße zum Studiren ausführlicher Ab-

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