Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

zu den deutschen Strafgesetzbüchern. 297
Acten des Justizministeriums, des Staatsministeriums und des
Staatsraths, die dem Herausgeber, Mitglied der ersten Kammer
und zugleich Mitglied der Commission zur Prüfung des G.B.,
zur Verfügung gestellt waren. Wenn man in dem Werke von
Beseler manches Erwartete gar nicht oder sehr kurz behandelt
findet, so ist hier oft das Zuviel störend.
Herr G. hat die Tendenz, darzulegen, daß durch das Hinzu-
thun französischer Elemente zu dem deutschen Strafrecht in dem
neuen preußischen Str.G.B. eine Schöpfung entstanden sei, die
alle andern Strafgesetzbücher Deutschlands überrage und während
Beseler für das französische Strafrecht außer dem code Mul
nur die bekannte ausgezeichnete Idöorie du code penal benutzt, ist
G. mit Sachkenntnis) viel weiter auf die französische Strafrechts-
wissenschaft eingegangen, so weit an manchen Stellen, daß der
Leser den Eindruck bekommt, als handle es sich um die Einfüh-
rung und Anwendung eines rcvidirten code pdnal und cs liege
nun auch den preußischen Praktikern die Pflicht ob, die ganze
französische^'urisprudence" sich anzueignen und genau die Ge-
schichte des code pdnal aus seinen Ergänzungen und Revisionen
zu kennen.
Hr. G. hat auch die neuen deutschen Strafgesetzbücher sorg-
fältig in den Vergleich gezogen, wodurch die Abweichung des
neuen preußischen Strafrechts von dem deutschen Strafrecht der
Gegenwart, wie es in den übrigen Strafgesetzbüchern liegt, deut-
lich hervortritt. Bisweilen mag eS ihm schwer^gewefen sein, den
Vorzug des ersteren anerkenuen zu müssen. Nachdem er z. B. If,
S. 365 ff. angegeben hat, daß die Einwilligung des Getödteten
auf die Strafe keinen Einfluß habe nach dem Str.G.B., in
Nachahmung des code pönal und im Gegensatz zu dem allgemeinen
Landrccht und den deutschen Strafgesetzbüchern (außer dem han-
noverschen, das deshalb von Leonhardt getadelt ist) — fügt er
den seltsamen Satz hinzu: „daß übrigens die Tödtung auf Ver-
langen unter mildernden Rücksichten zu strafen sein würde, ist
überall anerkannt. Da aber dem Richter bei absolut angedrohter
Strafe das Mittel für eine solche Milderung fehlt, so bleibt
allerdings, wie auch die Revision wollte, nur der Weg der Gnade."
Da haben wir also diesen Gedankengang:

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