Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

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Die Commentare

führen kann, den Praktiker nicht weiter mit der Aufgabe zu be-
helligen, Dinge zu sagen, die psychologisch Undinge sind. Die
Praktiker, die während eines längeren praktischen Wirkens keinen
„unbestimmten Vorsatz" haben entdecken können, sind wohl nicht
unter die Blinden zu zählen.
2. Baiern. Das Str.G.B. von 1813 ist gerichtet durch die
vielen Novellen und Rescripte, welche seine Geltung so bedeutend
modificirt haben und die schon lange vorbereitete Umarbeitung
desselben scheint in nächster Zeit Realität zu erlangen. Es wurde
dem G.B. bekanntlich in den Anmerkungen ein offizieller Com-
mentar mitgegeben, der nicht zum Vortheil der Praxis deren freie
Bewegung gehemmt hat, zumal da geraume Zeit alles Commen-
tiren des Str.G.B. in Baiern verboten war. Ter wichtigste Theil
der nachherigen commcntirenden Literatur liegt in G önner's und
Schmidtlein's Jahrbüchern der Gesetzgebung und Rechtspflege
im Königreich Baiern (3 Bände) und besonders in den „Blättern
für Rechtsanwendung, zunächst in Baiern." Mit Recht hat eine
gewisse Berühmtheit erlangt Arnold's größerer Aufsatz: „Er-
fahrungen aus dem bairischen St.G.B. von 1813 und Betrach-
tungen hierüber" im Archiv des Criminalrechts 1843 und 1844;
er ist eine Mußearbett über ein solches Thema. — Die seit der
Reform des Strafverfahrens in Baiern publicirten
„Sitzungsberichte der bairischen Strafgerichte" (von 1850 an bis jetzt
5 Bände).
verdienen in mehrfacher Hinsicht eine besondere Aufmerksamkeit.
Sie zeigen, wie schlimm es ist, wenn das materielle Strafrecht
eines Landes gar nicht im Verhältniß steht zu dem Strafverfahren
und wie das Strafverfahren mit Geschwornen eine strenge Kritik
des positiven Strafrechts herbeiführt. Scharfsinnige Deductionen
der Ankläger und Vertheidiger sind in den hier mitgetheilten Ver-
handlungen mancher einzelnen Fälle enthalten, wie auch gute Be-
merkungen der Einsender und Bearbeiter der einzelnen Stücke.
Viele der refcrirtcn Fälle sind von großem juristischen und psycho-
logischem Interesse. So ist der Band l, S. 461 ff. ausführlich,
aber durchaus nicht in ermüdender Breite mitgetheilte Fall ein
wahrer Musterfall, aus dem junge Eriminalisten lernen können,

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