Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Elvers, die römische Servitutenlehre. 265
mihi est invito te altius tollere aedificia mea, d. h. daß hier die
Formel nicht eine Negation der Servitut des in jure cedens,
sondern eine Position des entgegenstehenden Rechts des Proprie-
tars enthielt. Dieser Einfall ist in der That nicht Übel, wird
aber doch Jeden unbefriedigt lasten, dessen juristisches Gefühl sich
von vorn herein gegen die Annahme sträubt, daß römische Ju-
risten eine aufgehobene Servitut als eine neue entgegentretende
Servitut aufgefaßt hätten; mir scheint noch immer als die einzig
haltbare Ansicht die, welche das jus altius tollendi als das Recht
versteht, eine Mauer, Säule oder ein Dach des ^Nachbars zu
erhöhen; ein Interesse hierauf ist keineswegs undenkbar. Auch
der von v. Scheurl (Zettschr. f. gesch. Rechtsw. Bd. 12. S.256)
vorgeschlagenen Erklärung kann ich nicht beistimmen. Was der
Verf. bei dieser Gelegenheit gegen die Statthaftigkeit der De-
reliktion von Servituten sagt, hat mich nicht überzeugt, auch
scheint mir der Zusammenhang in L. 64. 65. D. (7, 1) die Auf-
fassung des „derelinquere" in dem allgemeineren Sinne des Auf-
gebens (so daß also dabei auch an in jure cessio gedacht werden
könnte) zu verbieten. — Zn Betreff der dritten Frage stimmt
der Verf. in den meisten Punkten mit Zachariä v. Lingen-
thal überein; seine Ansicht geht dahin, daß auch rücksichtlich der
Verjährung kein durchgreifender Unterschied zwischen Rustikal- und
Urbanservituten bestehe, daß vielmehr nur für die Weg-, Waffer-
leitungs- und Wasserschöpfungsservituten und daS Nießbrauchs-
recht eine Ausnahme von dem Erforderniß der usucapio libertatis
gemacht sei. Demzufolge läugnet auch der Verf. im Einklang mit
Zachariä jeden eigentlichen Werth jener Eintheilnng (in städtische
und ländliche Servituten) für daS System. Die bemerkenSwerthe
Erscheinung aber, daß dennoch diese Eintheilung von den römischen
Juristen so vielfach benutzt worden ist, führt er, im Widerspruch
mit der auch mir unzureichend scheinenden Erklärung von Zacha-
rtä, auf den rein historischen Grund zurück, daß die neben den
ältesten Spezies der Rustikalservituten sich entwickelnden ältesten
Spezies der städtischen Servituten mit jenen in der äußeren Er-
scheinung eine so geringe Aehnltchkeit gezeigt, daß eine von jenen
ganz unabhängige Entwicklung und der Mangel eines klaren-Be-
wußtseins von ihrer inneren Gleichheit mit den anerkannten Rusti-

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