Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

262 Elvers, die römische Servitutcnlehre.
ähnlichen, in das Gebiet des öffentlichen Rechts hinüberspielenden
Bildungen ein weit größerer noch ist, als im röm. Recht. Der
Vers, hat daher ganz recht gethan, an dieser Seite nicht theil-
nahmlos vorüberzugehen. Wesentlich Neues hat nns derselbe aller-
dings nicht geliefert, was jedoch mehr am Stoffe als am Verf. liegt.
Vielleicht aber hätte es demselben gelingen können, die hier auf-
tauchenden Fragen, deren civilistische Tragweite, wie gesagt, weit
in das deutsche Recht hineinragt, mit noch entschiedener ausge-
prägter Prinzipmäßigkeit zu behandeln oder doch zu formuliren.
Das Feld ist ein schlüpfriges, dies ist keine Frage: wo öffentliches
und Privatrecht in einander zu verschwimmen scheinen, da bedarf
es eines gleichsam souverainen Instinktes, um der Marksteine
Spuren nicht zu verlieren. Nicht Jrrthümer will und kann ich
dem Verf. hier vorwerfen, aber wohl gebricht es ihm noch an
jener Energie des juristischen Gestaltungssinnes, welche auch den
weichem Stoffen scharfe Konturen und plastische Formen abzuge-
winnen vermag, und gerade für die Behandlung moderner Rechts-
stoffe von ausnehmendem Werthe ist. Wenn der Verf. rücksichtlich
der in usu publica befindlichen Privatsachen (S. 281) äußert, daß
in der historischen Ausbildung des Aktionensystems der Grund liege,
warum der Zusammenhang jener Verhältnisse mit dem Servituten-
recht von den röm. Juristen nicht auSgeführt worden sei: so mochte
ich dagegen den Grund tiefer suchen. Mir scheinen die röm. Ju-
risten in jener Fernhaltung anomaler oder dem öffentlichen Gebiet
angehöriger Bildungen von den sorgfältig ausgeseilten Instituten
des Privatrechts ein nachahmungswürdigeö Beispiel civilistischer
Kastizität aufgestellt zu haben. Was die röm. Juristen elexantla
juris nannten, das war nicht eine konventionelle Schranke, welche
die Freude an formeller Nettigkeit auferlegte, sondern das Produkt
jener höheren Intuition, welche aus der Vermählung des Gentes
mit dem Studium entspringt. Es widerstrebte dem instinktiven
Takte der Römer, in den Begriff der Servitut durch Annäherung
fremder Bildungen Scharten zu reiben $ diese Naturanlage der
Römer muß uns durch die Weihe der Wissenschaft ersetzt werden.
Bei dem in §. 34 gemachten Versuche, die Servitut gegenüber
den andern jura in aliena abzugränzen, tritt des Verf. oben be-
leuchtete Theorie von dem eigenthümlichen Objekte der Servitut

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