Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Elvers, die römische Servitutenlehre. 259
so scheint mir denn in I. 57. eit. Marcellus eine Ses-
sion des Ususfrukt, analog der Session einer Forderung, an-
zunehmen.
Ueberbltcke ich die ganze Ausführung des Vers, über die an-
gebliche Uebertragbarkeit des Ususfrukt, so gestehe ich, durch sie
in meiner und der gemeinen Meinung nicht wankend gemacht, son-
dern entschieden bestärkt worden zu sein, und ich kann, soll ich
aufrichtig reden, dem Vers, den Vorwurf nicht ersparen', daß er
einer, wie cs mir scheint, vorgefaßten Meinung zu Liebe die ein-
schlagenden Stellen dieser botmäßig gemacht hat, statt dieselben
auf sich unbefangen influiren zu lassen. Jene Prävkkupation des
Vers, aber scheint mir daher zu rühren, daß er die Unübertrag-
barkeit der der 1. Klaffe ungehörigen Servituten nicht in dem
Wesen der Servitut überhaupt, sondern in einer Sigenthümlichkeit
zu finden glaubte, welche dem Ususfrukt abging; die Konsequenz
war, dessen Uebertragbarkeit nachzuweisen.
Mir scheint die ganze Frage nur aus dem Wesen des Seevi-
tutenrechts überhaupt gelöst werden zu können. Eine Servitut konnte
nach röm. Auffassung nicht anders als mit Beschränkung auf und
Anknüpfung an ein bestimmtes Prädium oder ein bestimmtes In-
dividuum bestellt werden. Dieser Satz selbst war ein Ergebniß
praktischer Weisheit der Römer, denen eine Gefährdung des Eigen-
thumsinstitutes bedenklich schien. War aber jener Satz nun einmal
fcstgestcllt — und er ist die vielhundertjährige Entwicklung hindurch
unwandelbar festgehalten worden—, so ergab sich als eine innere
Konsequenz und civilistische Nothwendigkeit daraus die Unübertrag-
barkeit der Servitut, d. h. die Unmöglichkeit der Ablösung derselben
von dem designirten Prädium oder Individuum. Sic entspringt
nicht aus einer Eigenthümlichkeit einzelner Servituten, sondern aus
dem civilistischen Wesen der römischen Servitut überhaupt, durch
welches sich dieselbe unter Anderem auch von der Emphyteuse und
Superfizies unterscheidet. Der Vers, selbst ist dem Gedanken, daß
Uebertragbarkeit des Ususfrukts und Beurtheilung der Dauer des-
selben aus der Person des ursprünglich Berechtigten unverträgliche
Momente seien, bei seiner Analyse des Begriffs der iu jure cessio
(S. 229) ziemlich nahe gekommen; den röm. Juristen würde cs
als eine entschiedene inelegantia juris erschienen sein, als Subjekt

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