Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Elvers, die römische Servitutenlehre.

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durch Höherbauen entzogen werden, werden uns durch Unter-
lassung des Höherbauens gelassen, aber nicht aus dem Hausgrund-
stück und vermöge einer Eigenschaft desselben, sondern vermöge
allgemeiner Naturprozeffe gewährt; zwischen „entziehen" und „ge-
währen" kennt die Logik noch ein Mittelglied. Ich strebe nicht
nach Spitzfindigkeiten, allein die Schärfe der Begriffsbestimmung
ist nicht ohne Bedeutung und der Vers, hat selbst durch Verwer-
fung des Wortes „Gebrauchsrecht" zu scharfer Kontrole provo-
zirt. — Ich komme zum Hauptpunkt: Servitut sei streng
genommen nicht Recht an der Sache in ihrer natür-
lichen Komplexion, habe daher nicht das Objekt mit dem
Eigenthum gemein, sondern habe eine einzelne!, aus der Sache
(Behufs der Veräußerung) herausgenommene Eigenschaft derselben,
welche als selbständige Sache fingirt werde, zum unmit-
telbaren Gegenstand. Kühnheit kann dieser Definition nicht ab-
gesprochen werden, aber wohl civilistische Gesundheit. Sehen
wir zu!
Der Verf. stützt sich auf die Legalauffassung. Meiner An-
sicht nach aber ist aus den Quellen vielmehr daS Gegentheil, d. h.
die Annahme der natürlichen Sache selbst als Servituten-
objekts zu entnehmen: die vom Verf. für seine Ansicht angeführten
1. 25. pr. D. de V. 8., 1. 6. v. 27, 9, I. 4. pr. v. 8, 5. n. I. 13.
§. 2. D. 46, 4. verneinen nicht die Identität des Objekts, sondern
die Gleichartigkeit der Rechte, sprechen der Servitut den Cha-
rakter eines partiellen Eigenthums, nicht den einer partiellen
Rechtsherrschaft, eines jus in re überhaupt ab. Die i. 8. D. 39, 3.
erklärt das jus loci selbst durch ipsa aqua, und die I. 17. v. (44,1),
welche sich durch ihr „8ed si“ unmittelbar an die I. 16. anschließt,
spricht, wie aus letzterer unzweifelhaft hervorgeht, gar nicht von
einer Servitut an demselben Grundstück, dessen Eigenthum be-
stritten ist, sondern nimmt den kuväus litisnus als Gegenstand des
bestrittenen Eigenthums, als Gegenstand der via aber den kundus
8empronisnus an; der von Paulus hier gebrauchte Ausdruck „quia
diversa corpora sunt“ spricht daher nicht für des Verf., sondern
für die gemeine und natürlicke Ansicht, daß die Sache selbst
das Objekt der Servitut sei; dazu vergl. man I. 2. v. 7, 1. „Est
enini ususfr. jus in corpore“, I. 4. D. eod. „ususfr. — pars

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