Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

230 ElverS, die römische Servitutenlehre.
Berücksichtigung der neueren Untersuchungen über die Schriften
der römischen Feldmesser. Der Berf. vermuthet, daß nicht gleich
bet der ersten Thetlung des römischen Gebiets durch die theilende
Gewalt Feldservituten auferlegt, sondern die Bedürfnisse des Ver-
kehrs zwischen den Parzellen durch Bestellung öffentlicher Raine
befriedigt, vielmehr die ersten Servitutenbildungen durch den
Wunsch näherer und bequemerer Wege und durch die aus wei-
teren Theilungen der assigntrten Parzellen entspringenden neuen
Bedürfnisse veranlaßt worden seien. In der S. 5 gegen Zacha-
riä angeführten Stelle des Hyginus kann ich keinen (direkten)
Gegenbeweis finden, da in ihr von civtlrechtlichen Entscheidungen
und nicht von publizistischen Assignationsakten, von „contcnt ioncs"
der Privaten und nicht von allgemeinen Organisationen die Rede
ist. Daß der Verf. an die Besitznahme entfernterer agri occupa*
torii, zu welchen man durch andere noch nicht occuptrte Ländereien
gelangte, als an ein drittes Veranlaffungsmoment denkt, hängt
mit seiner Ansicht zusammen, daß Servituten an einer res nullius
möglich seien. Davon späterhin. Ein intensiveres Interesse als
jene Frage nach den ursprünglichsten Bedürfnißfäüen, deren mit
leichter Mühe noch gar manche auffindbar sein dürften, gewährt
die andere vom Verf. kürzer behandelte Frage, in welcher civili-
stischen Form das Bedürfniß anfangs befriedigt worden sei, ob
in Form einer bloßen obligatio, welche bei der anfänglichen Ste-
tigkeit der Grundverhältniffe faktisch einem dinglichen Rechte fast
gleich kam, oder einer partiellen Eigenthumsübertragung oder einer
prekartschen Ausübung, oder aber ob von Anfang der (ganz gewiß
künstliche) Begriff eines jus in re aliena entwickelt gewesen sei.
— Dafür, daß der Aquädukt bereits in den 12 Tafeln vvrkomme,
führt der Verf. die I. 5 0. (43, 8) an; daß die Komptlatoren hier
an eine Prtvatanlage gedacht haben, folgt aus den vorausge-
henden und nachfolgenden Stellen, und dies macht es wenigstens
wahrscheinlich, daß auch Paulus und die 12 T. selbst Privat-
wafferleitungen gemeint haben; des Verfassers hierfür angeführter
Grund, daß bet öffentlichen Aquädukten kein Beklagter denkbar
sei, ist wohl nichtig, da der anlegende Magistrat sehr wohl in
Anspruch genommen werden konnte. Dagegen scheint mir die
folgende Ausführung, daß die Wege- und Wafferservituten die

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