Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

228 Elvers, die römische Servitutenlehre.
denken können. Wohl weiß ich, daß unsere Doktrin noch immer,
nicht gerade verächtliche, Stimmen aufzüweisen hat, welche in der
Betonung jener begrifflichen Analyse nur unnöthtge Spitzfindig-
keiten und eine gewinnlose Gymnastik finden, aber es scheint mir,
als nehme die Zahl dieser Stimmen mehr und mehr ab. Eine
zwiefache Aufgabe ist es, welche unsere Zeit an unsere Wissen-
schaft stellt: erstens die Sätze, Institute, Lehren des R.R. zu
unserem wissenschaftlichen Eigenthum zu machen, indem man sie
als nothwendige, den mathematischen Folgerungen vergleichbare
Ergebnisse innerer Begriffsentwickelung hinstellt und prüft (unsere
Wissenschaft muß rechnen lernen), und zweitens den Stoff,
welchen uns die modernen Bcrkchrsinstitute bieten, zu verarbeiten
(unsere Wissenschaft muß den Muth haben, in dieselbe Bahn zu
treten, in welcher sich einst die römische interpretatio pruüevtium
und der Prätor so meisterhaft bewegten). Diese zweite Aufgabe
aber ist das zweite Stockwerk, welches auf jener anderen als dem
ersten Stockwerk ruht; mögen wir uns daher unablässig des Natur-
gesetzes erinnern, welches eine zeitliche Priorität deS ersten Stock-
werkes fordert. Das Gesetz ist einfach, die Forderung klingt tri-
vial, aber es ist den zu feinster Kultur heraufgcschraubten Zeiten
eigen, daß sie das Einfache und Nahe oft übersehend an der
Erreichung des Künstlicheren und Entfernteren vergeblich sich ab-
mühen.
Von diesem Standpunkte aus begrüße ich jeden Versuch, wel-
cher mit frischer Erobernngslust an eines der Eingangs genannten
Gebiete im Geiste unserer Zeit herantritt, mit Freuden und kann
mir die Ueberlegung ersparen, ob eö jetzt an der Zeit sei, auf
die mehreren Monographieen über Servituten eine neue folgen zu
lassen. Des Bestrittenen ist hier so viel, daß eine Monographie
auch als Sammlung einzelner Abhandlungen ihren Werth behält.
Ein solcher Versuch liegt hier vor und bietet uns in seinem
ersten Hefte bereits hinreichenden Stoff zur Beurtheilung der Lei-
stungen des Verfassers. Derselbe hat sich, laut der Vorrede, als
letztes Ziel seiner der Servitutenlehre gewidmeten Thätigkeit
eine erschöpfende historisch-praktische Behandlung des heutigen
Servitutenrechtes gesetzt, „vorbereitet durch ein tiefes Eindringen
in die in unserm Volke lebenden Rechtsanschauungen, durch eine

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