Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

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zäunten Gehegen mit Schießgewehren verübt", kein bewaff-
neter Diebstahl im Sinne des § 218 sei.
Wir schließen hiermit unsere Beispielsammlung, um nicht zu er-
müden. Was wir beweisen wollten, dürfte durch das Mitgetheilte
alles bewiesen sein. Allerdings, wir wiederholen das, stehet das neue
Strafgesetzbuch selbst einer tüchtigen Rechtsausübung in Preußen sehr
erschwerend entgegen. Es hat zwar auch deutsches Recht und deutsche
Rechtsanschauungen ausgenommen; es hat diese aber auch vielfach
zurückgewiescn und dagegen Satzungen des französischen Rechts
dem deutschen Rechtsbewußtsein wie der deutschen Rechtswissen-
schaft völlig fremd, in gleichem Maaße ausgenommen. Cs ist
dabei andererseits fortwährend ungleich und sich widersprechend in
seiner Fassung, indem es, bald nach der Weise des französischen
Gesetzbuchs, starr spezialisirt, wie jene Beispiele beweisen, bald
definirt, trotz einem deutschen Lehrbuche, bald sogar belehrend auf-
tritt, wie das Allgem. Landrecht. Das Alles ist gewiß nur zu
sehr geeignet, Verwirrung herbeizuführen.
Um so mehr tritt dann aber auf der andern Seite die Pflicht
der Praxis und der Wissenschaft heraus, Alles aufzubieten, um
ihrerseits solche Verwirrung nicht aufkommen zu lassen. In der Praxis
hat diese Verpflichtung zu allermeist das höchste Gericht deS Lan-
des durch Entscheidungen und deren Begründung, den strengsten
Anforderungen der Wissenschaft entsprechend. In der Wissenschaft
hat sie selbst am meisten übernommen eine Zeitschrift, die,
wie das „Archiv", sogar die Führung der Fortbildung des Straf-
prozesses in ganz Deutschland, also gewiß zunächst in Preußen,
übernehmen will.
Wir wünschen aufrichtigst, wie überhaupt dem deutschen, so auch
besonders dem preußischen Strafrechte das kräftigste Leben; aber dem
preußischen nur als einem deutschen, ohne französische Zu-
thaten. Wir wünschen daher auch lebhaft, daß in solchem
Sinne „das Archiv für preußisches Strafrecht" gedeihlichen
Fortgang nehmen möge. Soll es das, so bedarf es freilich einer
vielfältig andern Redaktionsweise, als der bisherigen. Namentlich
ist nicht jede Entscheidung aufzunehmen, weil sie von einem Appell.-
Gerichte oder dem Obertribunal herrührt; nur das sollte ausge-
nommen werden, was in Wahrheit die Fortbildung des Rechts

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