Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Damerow, Sefelogk. Eine Wahnsinnsstudic. 201
Irrenanstalt reguliren kann. Der Verfasser begeht nämlich den
für ihn allerdings begreiflichen Jrrthum, von der Dreffnr, welche
er bei seinen Geisteskranken innerhalb der Anstalt ausübt, den
Widerspenstigen durch Douche zu bezwingen, mit Schlagen zu be-
drohen, auf die Strafrechtspflege des Staats zu schließen; ja er
ruft bei seiner Argumentation sogar die Erfahrungen aus der
Thierwelt zu Hülfe. Strafen haben bei Geisteskranken Erfolg —
die That muß aus dem Willen hervorgegangen sein, denn sie wird
in Zukunft unterlassen. Wir läugnen nicht, daß Wahnsinnige und
Blödsinnige mit Recht der Disciplinarbehandlung der Anstalt unter-
worfen werden können, allein vorzugsweise auö dem Grunde, weil
eine solche Quasibestrafung kein Unglück ist, wenn sic auch ihres
Objects ermangelte. Was liegt daran, ob der unter die Douche
Gesetzte sich vorstellt oder nicht vorstellt, daß er in's Wasser kommt,
weil er sich schmutzig gemacht? Mit der öffentlichen Bestrafung,
in Anstalten, die auf den Normalzustand der geistigen Kräfte be-
rechnet sind und berechnet sein müssen, ist dicß ganz etwas Anderes.
Uebrigens zweifeln wir doch sehr, ob der Verf. seine Kranken,
Wahnsinnigen oder Blödsinnigen diSciplinarisch behandelt wegen
Verstöße, die auch nur 8—14 Tage zurückliegen. Wir halten den
Versuch des Verf. nachzuweisen, daß bei Geisteskranken, Wahn-
oder Blödsinnigen eine strafrechtliche Ahndung einzelner Hand-
lungen geboten sei, im Allgemeinen mißlungen, und die offen-
baren Fehlgriffe, in die selbst er bei der Konstrnirnng der bedingten
Zurechnungsfähigkeit deö S. geräth, zeigen, wie wenig man sich
in Einzclfällcn auf weniger geschickte Irrenärzte wird verlassen
können, wenn sie eine ähnliche Auffassung befürworten.
Es ist unnöthig, auf den Vl. Abschnitt, allgemeine irrenärzt-
liche Studie, näher einzngehcn, da sie in ihrem Haupttheil, einer
Kritik des §. 40 im Preuß. Strafgesetzbuch, an der schon gerügten
Verkennung der gebotenen rechtlichen Auffassung hier einschlagender
Fragen leidet. Der §. 40 bestimmt ganz richtig, daß kein Ver-
brechen vorhanden ist, wenn der Thäter zur Zeit der That wahn-
ober blödsinnig. Muß der Arzt oder der Jurist sich sagen, zur
Zeit der That ist der Verdächtige im Zustande des Wahnsinns
und Blödsinns gewesen, so sind alle weiteren Fragen abgeschlossen.
II n’y a pas de crime — wie es i n der Quelle für diesen §. heißt,

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