Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

198 Damerow, Sefeloge. Eine Wahnsinnsstudie.
rückte Mensch sei in seinem Wahnsinn von Anderen als Werkzeug
des Attentats gebraucht worden. Wo dieser Gedanke herstammt,
ist nicht angegeben; die Aeußerungen des Sefeloge, dem nach
seiner Theorie seiner Verrücktheit zum Besten des Preußischen Kö-
nigshauses und Staats der Verstand mit all seinen reichen Erfin-
dungen im Gebiet der Chocoladefabrikation, der Schießbaumwolle
u. s. w. herausgenommen ist, und dem dafür von verschiedenen
Seiten Pläne und Entschlüsse eingesetzt, eingeblasen, durch's Ohr
„eingepustet" werden, können doch unmöglich darauf geführt haben.
Und hätten sie wirklich den Gedanken daran rege gemacht, so würde
jeder Jurist doch das ganze Gebiet der Erfahrung, in dem ein
solcher Fall nicht vorkommt, der tollen Idee entgegen gehalten
haben. Mit Recht gelangt der Verf. S. 88 zu dem Resultat:
Sefeloge hatte keine Mitschuldigen. „Als seinen Wahnsinn", setzt
er hinzu; allein dieß ist nicht so schön gesagt, daß man die juri-
stische Absurdität des Ausdrucks darüber vergessen dürfte. Dagegen
hat er durch seine Genesis des Sefcloge'schen Wahnsinns seinen
weiteren Satz evident gemacht: Aus der Geschichte seines Wahn-
sinns entwickelte sich bei S. der wahnsinnige Gedanke zur That.
Die weitere Position, daß S. noch jetzt so gefährlich und wahn-
sinnig sei, als zur Zeit der That, wird in einer größeren Ab-
handlung erwiesen, worin die interessantesten Züge aus der gan-
zen verrückten Weltanschauung dieses Menschen, seine Ansichten
über Gott, Religion, Recht, Sittlichkeit gegeben werden. Der
Verfasser mag wohl sagen, daß bet S. die Verrücktheit bis auf
die Knochen geht. Allein dieser ganze III. Abschnitt (S. 89—147)
nebst dem folgenden IV., worin behauptet und nachgewiesen ist,
daß S. wahnsinnig bleiben werde, gehört rein der Psychiatrie
an. Beide beanspruchen die Aufmerksamkeit, unterliegen aber nicht
dem Urtheil des Juristen.
Anders ist es mit dem V. Abschnitt, worin nach der Ueberschrift
erwiesen werden soll, „daß S. wegen des Mordversuchs auf des
Königs Majestät trotz seines Wahnsinns und seiner Venücktheit
vor dem Forum der Wissenschaft und der Erfahrung doch in dem
Grade für bedingt zurechnungsfähig zu halten ist, daß er seine
Freiheit zeitlebens verwirkt hat."
Gegen die hier aufgestellten Sätze hat sich der Jurist aus daS

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