Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Gengler, Lehrbuch des deutschen Privatrechts. 187
prägt, oder so, daß die Quelle als Beleg dem Dogma angefügt
wird." — Der Verfasser begnügt sich aber nicht, bloß eine Skizze
der Lehrsätze zu geben, sondern begleitet dieselben, wo es zweck-
mäßig erscheint, mit historischen Notizen, welche in der Art, wie
sie gegeben werden, daS betreffende Institut veranschaulichen und
die Auffassung der Lehre vermitteln und erleichtern. Stehen ver-
schiedene Meinungen neben einander, so sind dieselben, wenn der
Gegenstand es als zweckmäßig erscheinen läßt, angeführt und mei-
stens kritisch unter Aufstellung der eigenen Meinung des Verfassers
berücksichtigt worden. Dieses bedingte literarische Notizen, welche
in sorgfältiger Auswahl des Hauptsächlichen die einzelnen Ma-
terien begleiten. Ter Verfasser äußert hierüber in der Vorrede,
daß er, so sehr er auch dem Aufputzc eines für den Lehrgebrauch
bestimmten Werkes mit einem unübersehbaren Meere von Bücher-
titel» und Allegaten feind sei, cs für eben so nöthig erachte, daß
dem angehenden Juristen, welcher ja auf der Hochschule dem
künftigen Beamten und Richter verarbeite, eine ausreichende Kennt-
niß der besseren Literatur seiner Fächer ermöglicht werde, ein
Ziel, welches sich nur im Lehrbuche erreichen lasse, wogegen cs
dem Lehrvortrage anheimgestellt bleiben müsse, die hervor-
ragendsten Erscheinungen unter den dort benannten Schriften einer
kurzen Kritik zu unterwerfen. Hierin ist dem Verfasser brizustim-
men, und cs muß anerkannt werden, daß er seine Aufgabe für
das Lehrbuch gut uud ohne schwerfällig zu werden, gclöset hat.
Den Begriff deS gem. deutschen Privatrcchts giebt der Ver-
fasser S. 1 zu unbestimmt und dunkel dahin, daß cs ist „die Ge-
sammtheit aller auf gemeiusame — entweder historisch, d. i. in
der originären Nationaleinhcit der Germanen begründete, oder
legislativ, usuell oder doktrinell erzeugte — deutsche Rechtsidern
zurückzuführcnden, noch heutzutage anwendbaren Normen für Ver-
hältnisse des Privatlebens." Wenn wir auch über die Ausdrucks-
weisc, daß Rechtsidcen legislativ erzeugt werden, nicht rechten
wollen, so erzeugt doch der usus oder die cousuetudo kein Recht,
sondern ist, wie auch der Verfasser (S. 49) nicht verkennt, nur ein
Erkcnntnißmittel desselben. Die Praxis, als eine Art der Uebung,
unterscheidet der Verfasser S. 53 als selbst-schaffende und aus-
legende. Die selbstschaffcnde Praxis soll darin bestehen, daß sie

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