Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Lenz, über die geschichtliche Entstehung des Rechts. 183
wird die Vermuthung geäußert, daß die Labeonische Schule dem
Civilrecht, die Kapitonische dem Edict ihre Kräfte vorzugsweise
zuwandte. Unterstützt wird diese Vermuthung noch dadurch, daß
des Kapito Lehrer Aulus Ofilius als erster Bearbeiter des Edicts
genannt wird, und durch den bekannten altrvmischen Sinn des
Labeo und mehrerer seiner Nachfolger"). Durch die Hypothese
des Verfassers wird allerdings, wie er treffend nachweist, das immer
noch räthselhafte Verhältniß der beiden Schulen auf recht einfache
Weise erklärt. Nur ist diese befriedigende Erklärung das einzige,
was für den Grund der Vermuthung spricht. Die Stelle des
Pomponius namentlich wäre eher durch „obgleich", als durch
„weil" mit des Verfassers These zu verbinden. Auch daß gerade
Sabinus es ist, dessen libri Ires iuris civilis später der Literatur
des Civilrechtö zu Grunde gelegt wurden"), spricht nicht für jene
Hypothese. Auch Kassius hat ja das Civilrecht mit Erfolg bear-
beitet.
Die nun folgende übersichtliche Skizze des Ncchtsunterrichts
und der wissenschaftlichen und praktischen Rcchtszuständc überhaupt
ist, wiewohl das Material meistens aus Puchta entnommen, doch
reich an eigenen geistvollen Bemerkungen des Verfassers.
Hiermit schließt die Abhandlung von der Entstehung des Rech-
tes, und der Verf. kommt nun zur Konklusiv aus den gefundenen
Resultaten. Der Verf. spricht sich für eine neue Kodifikation aus,
und zwar nach folgenden Grundprincipien: Das neue Gesetzbuch
hat die begrifflichen Keime des praktikabeln Rechtsstoffs, als soviel
Principicn, gesetzlich zu sanktiontren, an welche der Stand der
Juristen, der nie aushörcn wird zu eristircn, seine Ertensivintcr-
pretation von neuem anzuknüpfen hat. Die Rechtsentwickelung
hört mit dieser Sanktion nicht auf, sic kann von da ab erst wahr-
haft beginnen. Wenn der neue Koder aber nur Principicn ent-
halten soll, so kann er nichts anderes umfassen, als daS römische
Recht, welches ja das absolute ist. Nicht blos im Sachen- und

I I) Dic angeführten Stellen bei GclliuS XIII, 10. 12. reden, wenn stc dem
Labco große Kenntnis; im ins civile zuschreibcn, nicht vom ins civile im Ge-
gensätze zum Edicte. Namentlich ist in der ersten Stelle ausdrücklich ein ganz
anderer Gegensatz gemacht.
12) Leist, Rcchtrsystcme, S. 42.

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