Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

176 Lenz, über die geschichtliche Entstehung des Rechts.
in diesem Thetle des Buches aufgestellt wird, kann nur dem übri-
gens unbestrittenen Satze beigestimmt werden, daß das plebejische
Element von hoher Wichtigkeit für die Bildung des römischen
Rechtes ist.
Der Versuch, den der Verfasser macht, die Anfänge seines
absoluten iu8 zu ergründen, zeugt recht klar gegen die Stichhaltig-
keit seiner Sätze. Als Keim, aus dem das lu5 sich entwickelt, stellt
er das „Handrecht", die msnus hin, die Herrschaft des Willens-
berechtigten, über das Willenlose, der Herrschaft des Willens
unterworfene. In diesem Verhältniß ist ihm zuerst der Begriff der
Person und der Sache ausgesprochen, eine Höhe der Abstraktion,
zu welcher keine Volksrechtssitte es hätte bringen können, sondern
welche eine römisch-plebejische Errungenschaft sei; namentlich spreche
das recht für die Natur des römischen Rechtes als eines abso-
luten, daß die individuelle Beschaffenheit der verschiedenen Rechts-
objecte keinen Unterschied mache; Weib und Kind ständen gerade
so unter der absoluten Herrschaft des Mannes, als der Sclav
und die erbeutete Sache. Wie nun, wenn gerade in dieser ihrer
prägnantesten Gestalt, als unbedingte Herrschaft des Hausvaters
über die Familie, die msnus als ein nationales Institut der alten
Sabiner sich herausstellt? Gerade der hauptsächlichste Gewährs-
mann des Verf., Göttling, hat darauf aufmerksam gemacht.
Auch die Art, wie jenes Handrecht übertragen wurde, die manci-
patio mit ihren Nerussolennitäten und ihrer nachgewiesenen publi-
cistischen Beziehung ist nicht geeignet, die msnus als ein „rein
privatrechtliches" unter Leuten, die „nur Menschen waren", ent-
standenes Institut zu charaktcrisiren. Mag man den Unterschied
der res mancipi und nee mancipi fassen, wie man will, jedenfalls
beweist er, daß die alte msnus mit dem „absoluten Sachenbegriffe"
zunächst nichts zu thun hatte.
Der Unterschied zwischen kss und ius offenbart sich, nach dem
Verf., auch in dem verschiedenen Organ ihrer Entstehung. Das
kss, als überlieferte Rechtssitte, lebte in dem ihm eigenen Ele-
mente der Tradition. Dagegen soll das ius, wenn nicht seine
Existenz, so doch seine Geltung und sein wahrhaftes Leben dem
Gesetze verdanken. Um das Letztere zu beweisen, werden Aus-
sprüche römischer Juristen beigebracht, in welchen das ius civile

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