Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Bluntschli, deutsches Prtvatrecht.

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eine Gesellschaftsforderung einklagen und für die Zahlung quittkren
kann, nicht aber der einzelne Gesellschafter als solcher weder pro
rata parte, noch io solid um, ist auch bei der Societät der Fall.
Der Verfasser scheint diese hier mit der communio furis zu ver-
wechseln und übersieht, daß das Eigentümliche der Handelsgesell-
schaft nur im besonder« Zwecke liegt. (Code de comm. §. 20 —
de faire le commerce sous une raison sociale.)
Es ist hier nicht der Ort, in allen Einzelnheiten dem Verfasser
uachzugehen. Es werde nur noch angeführt, daß er gegen Sa-
vigny (System II, 277) die Nothwendigkeit der Staatsgenehmi-
gung zur Entstehung jeder juristischen Person bekämpft. Eonsequent
damit behauptet er auch, daß das Organ der Corporation selbst,
die Versammlung, berechtigt sei, durch Mehrheitsbeschluß, die Auf-
lösung zu beschließen, ohne daß eS auch hier einer Autorisation
der Staatsgewalt bedürfe. Diese Ansichten wurzeln in der Tendenz
des Verfassers, den Corporationen eine möglichst große Selbstän-
digkeit zu geben. Es mag nun immerhin zugegeben werden, daß
die Auffassungen von Saviguy und Puchta namentlich bezüglich
der Auflösung nicht ganz genau sind. Entschieden irrig ist es aber,
die juristischen Personen so allgemein lediglich als Produkt des ge-
meinsamen Willens (S. 172) hinzustellen. Sagt er ja doch selbst
anderswo bei dem Amte als Corporation, daß eS nicht von dem
Willen und der Erfüllung der Individuen bestimmt werde (S. 175),
oder wie er in seinem Allgemeinen Staatsrecht (l, S. 22) sagt, daß
es ein selbständiges seelisches Prinrip habe. Er spricht dem Amte
sogar eine unbeschränkte Fortdauer nach englischen Rechtsbegriffen zu.
An demselben Orte wäre übrigens, nebenher bemerkt, der plötzlich
ritirte Blackstone lieber zu erklären, als zu rügen gewesen.
Besondere Beachtung verdient das Autorrecht, das hier zum
ersten Mal im deutschen Privatrecht, und zwar im Personenrecht
seine Stelle findet.
Der Verfasser behandelt es unter den Rubriken: Geschichte und
Natur des Autorrechts, Wesen, Gegenstand, Subjekt und Ueber-
tragung des Autorrechts, endlich Verletzung des Autorrechts oder
Nachdruck. Die Entwicklungsgeschichte des Autorrechts zeigt vier
Stadien, den Standpunkt des Privilegiums vom 15. Jahrhundert
an, den des Verlagsrechts, den des literarischen Eigenthnms und

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