Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

148 Bluntschli, deutsches Privatrecht.
Rechtsbtldung überhaupt wieder verdrängt worden ist. Diese mehr
nur negativen Sätze sind zwar sehr bestimmt. Nichts desto weniger
ist doch das Verhältniß keineswegs deutlich, da der Verfasser unter-
lassen hat anzugeben, was er unter wirklicher Reception versteht.
Daß eine förmliche Reception des röm. Rechts nie stattgefunden
hat, ist wohl schon von Putter gründlichst und für immer wi-
derlegt worden. Die bloße Glossirung einer Stelle ist aber noch
kein Äeweis für dessen unmittelbare Geltung für uns, abgesehen
von den bedeutenden Modifikationen des röm. Rechts, die es in
der Folge erlitten und die der Verfasser zu wenig beachtet, obwohl
er in der Vorrede sehr richtig bemerkt, daß in dem mißver-
standenen römischen Recht der alten Praktiker so manche deutsche
Wahrheit verhüllt war. Es wäre zu wünschen, daß der Verfasser
selbst eine Geschichte der Reception des röm. Rechts bearbeitete, die
er schon 1841 (vgl die neueren Rechtsschulcn der deutschen Juristen)
als Bedürfniß erkannt und wiederholt in der Vorrede vermißt hat.
Zwar hat der Verfasser sowohl in der Vorrede als im Terte eine
geistreiche Skizze darüber gegeben. Wie er sich den Plan denkt,
ist jedoch daraus noch nicht zu ersehen, da er selbst auf die innere
Geschichte einzelner Institute nicht eingeht, bezüglich der äußern
Rechtsgeschichte aber Savigny's Werk gewiß schon das Mög-
liche geleistet hat.
Ganz kurz auf kaum drei Seiten wird hierauf das Verhältniß
zum canonischen und longobardischen Recht, zu den neueren Rechten
fremder Nationen und zu den Partikularrechtcn berührt. Ueber das
Verhältniß zu den neuern Rechten fremder Nationen äußert sich
der Verfasser: „Die Einwirkung gleichzeitig lebender Rechte des
Auslands muß von der Wissenschaft des deutschen Privatrechts,
welche die ganze moderne Fortbildung unsres Rechts umfaßt, mit
in den Bereich ihrer Forschung und Beachtung gezogen und darf
keiner andern Disciplin überlassen werden." Vom Verfasser ist
dieses selbst namentlich durch die Auszüge aus der französischen
und Schweizer - Gesetzgebung unterhalb des Tertes geschehen.
Zm zweiten Capttel, von den Rechtsquellen, behandelt der
Verfasser das Gewohnheitsrecht (Volksrecht), das Recht der Wis-
senschaft (Zuristenrecht), obrigkeitliches Recht (Gerichtsgebrauch),
Gesetzgebung, dann die Rangordnung der Rechtöquellen und die

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