Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

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wie das „Archiv" sie bringt, für die Besprechung des „Archivs"
in diesen Blättern das eigentliche Interesse. Sie sind besonders
dazu geeignet, den Standpunkt der Strafrechtspflege in Preußen
aufzuweisen, und also zur Beantwortung jener Frage beizutragen,
ob „Preußen die Führung und die Fortbildung des deutschen Straf-
prozesses zufallen dürfe."
Dem Herausgeber des „Archivs" muß nach seiner Versicherung
in der Vorrede (oben), wie nach seiner amtlichen Stellung (als Mit-
glied des höchsten Gerichts für den ganzen Umfang der preußischen
Monarchie, mit Einschluß der Rheinprovinz) eine große Auswahl
der Rechtssprüche preußischer Gerichtshöfe zu Gebote gestanden
haben. Wir müssen annehmen, daß er nicht nur einerseits das
Interessantere und Wichtigere, sondern auch andererseits das wis-
senschaftlich am besten und gelungensten Ausgeführte ausgewählt
haben wird, schon um des Nachweises der Berechtigung zu jener
„Führung" willen.
Wir ziehen aus seiner Auswahl folgende Mittheilungen aus:
NachS.74hat das Obertribunal in einem Erkenntniß vom8.Oct.
1852 den Begriff des f o r t g e s e tz t e n B e rb r e ch e n s in folgender
Weise festgesetzt, „daß das wahre Merkmal des fortgesetzten
Verbrechens in der zusammentreffenden Einheit des verbrecheri-
schen Entschlusses und der That bestehe, so daß die mehreren strafbaren
Handlungen als fortschreitende Ausführung Einer That er-
scheinen." Es ist das bekanntlich wörtlich die Auffassung Mitter-
maiers (zuFeuerbach§128 a), der nur noch hinzusrtzt: „oder durch
Einheit des Entschlusses zusammengcfaßt sind " Das Archiv theilt
bloS den nackten aufgcführten Satz mit, ohne einer weitern Mo-
tivirung zu erwähnen. Es bleibt daher auch ungewiß, ob und
in wie weit der höchste Gerichtshof in dieser durch und durch be-
strittenen Lehre lediglich der weitern Ausführung Mittermaiers
beigctreten ist, namentlich mit oder ohne Beachtung der neueren
gewichtigen Einwürfe dagegen, z.B. von Seiten Kost!ins, der
freilich keine zutreffenden Begriffsbestimmungen hat beibringen
können, aus dem einfachen Grunde, weil es weder nach den
Quellen noch nach der Wissenschaft ein „fortgesetztes Verbrechen" gibt.
Namentlich ist nach jener Charakterisirung entweder das fortge-
setzte Verbrechen nur eine einzige verbrecherische That, oder sie

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