Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

132 Mornmsen, Beiträge zum Obligattonenrecht.
das Jemand für den Käufer noch erträglich finden mochte, wie
paßt es irgendwie zum creditor? Wenn es ferner in I. 103 § 4
de leg. 1. (30) — einer Stelle, welche der Verf. ganz übersehen
hat, — heißt, daß das Legat einer Sache, welche der Legatar
bereits aus einer Stipulation zu fordern habe, dann nicht ungültig
sei, wenn die Stipulation auf einer causa onero8a beruhe: was
kann das anders heißen, als, der Gläubiger könne in diesem Falle
das Legat geltend machen, ohne sein Forderungsrecht zu verlieren?
— Und was ist es nun, was der Verf. diesem Allem entgegen-
zusetzen hat? Vorzugsweise I. 16. pr. de V. 0. (45. 1). Zn der-
selben heißt es, daß, wenn der Gläubiger in der alternativen
Obligation das Etgenthum einer der ihm alternativ verschuldeten
Sachen erlange, er die andere zu fordern habe, — reliquus ser-
vus debetur. Die Beweiskraft dieser Stelle beruht natürlich auf
der Sicherheit, womit aus diesen Worten der Schluß gezogen
werden kann: aestimatio alterius uou debetur. Nun aber erkennt
der Verf. an einem andern Orte (S. 310) selbst an, daß aus
gleichen Aeußerungen, die in anderen Stellen in Betreff einer
unzweifelhaft die Obligation aufhebenden Unmöglichkeit Vorkommen,
nicht geschloffen werden dürfe, daß nicht der Schuldner das Recht
habe, sich durch Leistung des Werths der unmöglich gewordenen
Leistung zu befreien. Verträgt aber dieses sich mit einem solchen
Ausspruch, so verträgt sich auch die Fortdauer der Obligation
selbst damit; in dem einen und dem andern Falle greift derselbe
nach dem Nächstliegenden. — Die zweite Stelle, auf welche sich
der Verf. beruft, hat noch viel geringeres Gewicht; ich kann da-
von aber erst sogleich handeln.
Meiner Meinung nach muß man also lediglich bet der herr-
schenden Ansicht stehen bleiben, und dem Gläubiger in allen Fällen
sein Forderungsrecht aufrecht erhalten, in denen er nicht ex lucrativa
causa erlangt hat, was er ex lucrativa causa zu fordern hatte.
Wie paßt dies nun aber zu der Regel, daß die unverschuldete
Unmöglichkeit der Erfüllung den Schuldner befreie; liegt nicht
wenigstens hierin eine Ausnahme von derselben? Auch hierin nicht.
Ebensowenig wie die Forderung desjenigen, der ex lucrativa causa
Gläubiger ist, lediglich darauf geht, daß er die Leistung bekomme,
sondern auch darauf, daß er sie ohne Aufopferung bekomme, eben-

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