Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

126 Mommsen, Beiträge zum Obligationenrecht.
Was die Uebertragung der für den Kaufvertrag geltenden
Grundsätze auf den Tauschvertrag angeht, so bemerkt der Verf. mit
Recht, daß hier, trotz der Anwendbarkeit des aedilicischen EdictS
der Anspruch auf verhältnißmäßige Minderung der Gegenleistung
in der Regel nicht zugestanden werden könne. Auf den Miether ist
das aedilicische Edict allerdings nicht erstreckt worden, jedoch ist
deßwegen seine Stellung nicht so übel, wie der Verf. sie bezeich-
net, da auch ihm (wie übrigens auch dem Tauschenden) aus dem
vom Gegner gegebenen Versprechen einer gewissen Qualität ein
Anspruch auf das Erfüllungsinteresse zugestauden werden muß.
6. Der zweite Fall der theilweisen Unmöglichkeit, den der Verf.
einer besonderen Betrachtung unterwirft, ist der, wo die Obligation
nicht zur festgesetzten Zeit erfüllt werden kann (§ 19). Ich muß
es mir versagen, hier auf seine Ausführungen, die mir durchaus
zutreffend zu sein scheinen, näher einzugehen. Nur in Betreff der
I. 21. de her. vend. (18. 4), welche der Verf. auf S. 221 bis
226 behandelt, bin ich anderer Ansicht. Ich glaube, daß die Worte:
non .. actiones ei 8ed rem praestare debeo nickt sagen wollen, daß
der Verkäufer dem Käufer jetzt gleich die Sache oder sein In-
teresse leisten müsse, sondern daß fortwährend die Sache der Gegen-
stand der Obligation sei, nicht die actiones. Darüber, was der Käu-
fer kraft seines auf die Sache gerichteten Fordcrungsrechtes vom
Verkäufer verlangen könne, spricht der Jurist sich nicht aus; er will
eben nur hervorheben, daß er nicht seine Forderung statt auf die
Sache auf die actiones richten könne, wenn ihm das vortheilhafter
erscheine. So ist es, sagt er, wenn der Verkäufer die verkaufte
Sache wieder verkauft hat; in derselben Weise verhält es sich,
wenn er sie um die litis aestimatio hingegcben hat.
Im dritten Kapitel geht der Verf. zur Darlegung der
praktischen Behandlung der nachfolgenden Unmöglichkeit über.
Die Disposition dieses Kapitels ist folgende: 1) die Regel; 2)
Ausnahmen von derselben, wirkliche und scheinbare; 3) nähere
Bestimmung derselben, 4) und 5) ihre Anwendung auf einseitige
und gegenseitige Obligationen.
1. Die Regel bestimmt der Verf. dahin (§ 20), daß die nach-
folgende Unmöglichkeit der Leistung, subjective wie objektive, den
Schuldner befreie, wenn sie ohne sein Verschulden eingetreten

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer