Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

122 Mommsen, Beiträge zum Obligationenrecht.
nem Interesse für gemäß hält, soll angehalten werden können, den
möglichen Theil der Arbeit gegen einen verhältnißmäßigen Theil
des bedungenen LohnS anzufertigen. Der Verf. beruft sich dar-
auf, daß das opus als ein Untheilbares erscheine. Das ist es
insofern, als der Gläubiger sich theilweise Leistung nicht braucht
gefallen zu lassen; aber daraus folgt nicht, daß er theilweise
Leistung auch nicht fordern könne. Nur dann wurde er es nicht
können, wenn der noch ausführbare Theil des Werkes dem ganzen
Werke gegenüber so sehr als ein specifisch Anderes erschiene, daß
er als Theil desselben gar nicht mehr angesehen werden dürfte.
— Noch viel weniger kann ich zugeben, daß der Auftraggeber,
der die Unmöglichkeit der vollständigen Herstellung des bestellten
Werkes gekannt hat, von dem Arbeiter nicht nach Analogie der
I. 57 üe contr. emt. auf die ganze Gegenleistung belangt werden
könne. Er auf jeden Fall kann sich auf den einheitlichen Charak-
ter des Werkes, wie scharf derselbe auch im Vertrage aufgefaßt
worden sein mag, nicht berufen; er hat das Recht dazu durch sei-
nen <lolu8 verwirkt. Umgekehrt muß aber auch der Arbeiter, wel-
cher die Unmöglichkeit, mit dem vorhandenen Material (oder un-
ter den vorhandenen Umständen) das Werk vollständig auszuführen,
gekannt hat, dem Besteller auf das volle Interesse haften. Der
Verf. setzt hier entgegen, daß der Gegenstand der loestio eoulluetio
operi8 Arbeit sei, und diese Arbeit überall kein Interesse habe,
wenn es an den Gegenständen zur Bearbeitung fehle. Aber der
Arbeiter hat doch dem Besteller doloser Weise versprochen, aus
diesem Material das Werk herzustellen, und nichtig ist der von
ihm abgeschlossene Vertrag nicht.
5. Unter den Fällen der thcilweisen Unmöglichkeit hebt der
Verf., wie bereits oben bemerkt wurde, zwei besonders hervor,
zuerst den, wo die versprochene Qualität nicht geleistet werden
kann. Handelt es sich hier von generischen Obligationen, so liegt
auf der Hand, daß etwas nicht Eristirendes versprochen worden
ist; wie aber, wenn eine individuell versprochene Sache diejenigen
Eigenschaften nicht besitzt, zu deren,Gewährung der Schuldner sich
anheischig gemacht hat? Auch dann, sagt der Verf., liegt eine
Unmöglichkeit der Leistung vor; der Schuldner braucht also die
versprochene Qualität nicht zu prästiren, und muß sich nur bet

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