Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

108 Mommsen, Beiträge zum Obligationenrecht.
Betrachtung der auf ein Thun gerichteten Leistungen ganz zu-
rücktritt.
In dem zuletzt Gesagten ist bereits die Entscheidung angegeben,
von welcher der Vers, bei der Erörterung der Grenzen der Un-
möglichkeit ausgeht. Mit den Sachleistungen beginnt er (§. 2—6).
Er rechnet zu ihnen nicht bloß das eigentliche dar«, sondern auch
die Leistung des Verkäufers, so wie das bloße restituere und das
Ucberlaffen zum Gebrauche. Hier stellt er, wie gesagt, den Satz
an die Spitze, daß, wenn die Unmöglichkeit sogleich zur Zeit der
Begründung der Obligation vorhanden sei, sie die Verpflichtung
des Schuldners nur dann ausschließe, wenn sie eine objectivc, d. h.
eine in dem Gegenstände der Obligation an sich begründete und
deswegen für Jedermann stattfindende, nicht aber, wenn sie eine
nur subjective, d. h. eine in den persönlichen Verhältnissen des Schuld-
ners oder in dessen Verhältniß zum Gegenstand der Obligation lie-
gende und deswegen nur für ihn vorhandene sei (S. 5). Die Haupt-
beweisstelle für diese Unterscheidung ist I. 137. 8- 4. 5. l). de V. 0.
(45.1), wo Venulejus sagt, die Verpflichtung des Schuldners werde
durch ein impedimentum naturale ausgeschlossen, nicht aber durch
den Mangel der kaeultas dandi. Auch wird im Einzelnen die be-
freiende Kraft der objectiven Unmöglichkeit in den Quellen für den
Fall anerkannt, wo die zu leistende Sache nicht existirt, so wie für
den, wo sie dem Verkehre entzogen ist (S. 10 — 12). Daß die
subjective Unmöglichkeit dem Schuldner nicht zu Gute komme, be-
zeugen sie im Einzelnen für den Fall, wo dem Schuldner das zur
Leistung nöthige Recht nicht zusteht (S. 12—15). Dagegen ent-
halten sie ein solches Zeugniß für den Fall nicht, wo dem Schuld-
ner das zur Leistung nöthige faktische Verhältniß zur Sache fehlt,
und der Verf. ist geneigt, in demselben eine Abweichung von der
Regel anzunehmen, die Unmöglichkeit als wirkliche, d. h. den
Schuldner befreiende zu behandeln (S. 18—21). Er hat dafür
zwei Gründe. Der erste ist, daß eine solche Unmöglichkeit meist
nur eine zeitweilige sein werde. Aber eine Abweichung von einer
Regel läßt sich nicht dadurch rechtfertigen, daß durch dieselbe dem
nach der Regel Berechtigten das ihm aus derselben Gebührende nicht
ganz entzogen werde; so wenig wie dem Gläubiger ohne Grund
seine ganze Obligation genommen werden darf, so wenig ist es

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