Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

102 I. Füßlin, die Beziehungen des neuen bad. Strafgesetzes
sog. Strafen, sofern sie in der altüblichen Weise auf bloße Pei-
nigung der Verbrecher hinauslaufen, „völlig unvereinbar seien mit
dem Geist einer auf gründliche Besserung derselben abzweckenden
Einrichtung des Gefängnißwesens, deren Grundlage die Einzelhaft
bilde und die man mit dem Helldunkeln Fremdwort: Pönitentiar-
reform oder Pönitentiarsystem zu bezeichnen pflege." Hiermit ganz
in Einklang spricht nun Füßlin von solchen Bestimmungen des
neuen badischen Strafgesetzes, „durch welche der Einzelhaft alle
Lebensquellcn abgeschnitten, alle Bedingungen der möglichen Durch-
führung entzogen, deren Grundprincipien verletzt und umgestoßen
sind, und der Strafvollzug nach derselben in der Bruchsaler Straf-
anstalt geradezu erfolglos, in manchen Fällen gefährlich gemacht
wird", und er weist als solche Bestimmungen aus seiner Erfahrug
hier insbesondere diejenigen nach, wodurch cs den Richtern erlaubt
wird, im Urtheil ein für alle Mal regelmäßig nach kurzen Unter-
brechungen wiederkchrendc sog. Strafschärfung der „Hunger-
kost" und der „Dunkelhaft" zu verfügen oder eine kürzere oder
längere „Polizeiaufsicht" über den aus der Strafanstalt Ent-
lassenen, oder endlich „öffentliche Arbeitstrafen". Diese
letzten, wobei die Sträflinge zu Arbeiten außer der Anstalt ver-
miethet werden, seien mit Recht 1844 abgeschafft, aber leider durch
§. 37 des Straf-G.B. wicderhergestellt für zu Arbeitshaus Vcr-
urtheilte, sofern sie dazu sich erbieten. Verschlechterung, Gewöh-
nung an Schande oder steigende Verbitterung folgt, wie der Verf.
scharf betont, aus der unvermeidlich fast aufsichtlosen Gemeinschaft
bei öffentlichen Arbeiten so ganz nothwendig, daß diese noch weit
übler wirken, als Gemeinschaft im Gefängniß, um so mehr als
Unterricht, auch gewerblicher, Aufrechthaltung der Hauszucht, wohl-
thätiger Einfluß der Geistlichen und Hausbcamtcn mit jenen völlig
unvereinbar ist. Man sollte cs daher nicht für möglich halten, daß
man Gefangenen, die die Versetzung in eine so unheilvolle Lage
sich als-Gunst erbitten, den Willen thun, vollends da sie meistens
jüngere, zum ersten Mal bestrafte Diebe seien, denen gerade „die
meiste Sorgfalt zur Besserung", weil sie deren am meisten bedür-
fen, oder wie der Verf., dem Herkommen gemäßer, sich anderswo
ausdrückt, „eine verhältnißmäßig härtere Bestrafung" zu Theil
werden sollte. Was nun so verdorben sei, das solle dann, wenn

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