Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

I. Ungrr: Die rechtlichk Natur der Jnhaberpapiere. 511
Vers, ist ein Mechanismus, kein Organismus; es fehlt ihm ein
lebendiger Grundgedanke, ein einbeitliches Prinzip.
X. Zn 8- 21 (S. 136—148) behandelt der Verf. die wichtige
Bin di kati on s frage. Mit Recht will er hier Eigenthum am
Papier und Berechtigung zur Forderung aus demselben getrennt
wissen, doch ist mir nicht klar geworden, wie der Verf. das Eigen-
thumsverhältniß ganz in den Hintergrund drängen und die s. g.
Vindikation des Jnhaberpapieres nur als persönliche Klage, und
zwar als actio in remscripta gedacht wissen kann; die Klage des
wahren Gläubigers gegen den besitzenden Eigenthümer denkt der
Verf. sich als einen Prozeß um eine Forderung, und doch ist ihr
Ziel: Aushändigung des Papieres, also einer Sache, welche gar
nicht den Inhalt bildet; und aus welchem Gesichtspunkte kann denn
ein besitzender Eigenthümer zur Herausgabe seiner Sache genöthigt
werdend Der Verf. würde auch hier wieder zur Annahme eines
besonderen positiven Rcchtssatzeö seine Zuflucht nehmen müssen, den
er doch nimmer (als solchen in diesem Sinne) beweise» kann. Der
Verf. hat zwar in Thöl einen Genossen für seine spiritualistische
Beseitigung des sachlichen Elementes aus der Vindikationsfrage,
allein den Wortlaut sännutlicher hieher gehörigen Gesetze hat er
gegen sich. Freilich bezieht sich das materielle Zntereffe nicht auf
das Papier, sondern auf die Forderung, und diese tritt, wo das
Papier verloren oder untergegangen ist, sellbständig hervor, allein
so lange das Papier vorhanden ist, bildet es den unmittelbaren Ge-
genstand des Streites; cs ist Organ der Forderung, aber es ist
doch Sache, und muß als Sache behandelt werden; wir können
unmöglich bald das Papier als Organ der Obligation betrachten,
und bald cs ignorirend bloß die Obligation berücksichtigen. Der
Verf. scheint mir demnach, wenn ich ihn recht verstanden, eines
festen Prinzipes zu entbehren: seine Beantwortung der Vindikations-
fragc resultirt nickt aus seiner Konstruktion des Rechtsinstitutes selbst.
— Von anderer Seite her tresse ich freilich mit dem Verf. wieder
in dem Satze zusammen, daß Beschränkung der Vindikation (der
actio in rem scripta!) nicht priuzipmäßig zu deduziren, sondern auf
die utilitatis ratio und positiven Rechtssatz zu gründen sei.
XI. In den 4 letzten Paragraphen handelt der Verf. noch
1) von den Einreden aus der Person der Vormänner, sowir
des Präsentanten selbst: er erklärt sich mit Recht für die Befugniß

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