Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

I. Unger: Dir rechtlichc Natur der Jnhabtrpapicre. 501
sagt der Vers. (S. 67): „Formelle Verträge sind im heutigen Rechte
jene, bei welchen die Parteien mit Bewußtsein und absichtlich das ob-
ligatorische Versprechen von seiner Causa isolircn, um ein abstraktes
Forderungsrecht zu begründen. Das charakteristische Kriterium des
formellen Vertrags besteht sonach allerdings in der Abstraktion von
der Causa; diese Abstraktion von der Causa muß aber auch durch
den eigens darauf gerichteten Willen der Parteien herbeigeführt wer-
den. Wo es an einer solchen bewußten Jsolirung des obligatorischen
Versprechens von seinem Rechtsgrunde fehlt, wo der Wille nicht
darauf gerichtet ist, ein Fordernngsrecht unter Abstraktion von seiner
Causa zu begründen, da ist ein materieller Vertrag vorhanden, und
das obligatorische Versprechen kann nicht für sich allein, sondern
nur in Verbindung mit seiner Causa in Betracht kommen."
Diese Auffassung weicht im Prinzipe nicht von der Liebe'scheu
Theorie ab, und ist von Vielen, auch von mir selbst schon aner-
kannt worden (vgl. S. 101 der Ungcr'schen Schrift). Ich will
daher hier nur zufügen, daß der Verf. sich nicht genau ausdrückt,
wenn er hier immer bloß schlechthin von der „Causa" redet, gleich
als ob die stipulatio, der Formalakt überhaupt keine eausa habe,
während in ihnen doch nur von der materiellen oder specia-
lis causa debentli abstrahirt ist (welche vom Verf. S. 175, als
causa debendi bezeichnet wird), — und daß ich nicht verstehe, wie
der Verf. (S. 67) die Novation als einen materiellen, die Erpro-
mission und Delegation als formelle Verträge auffassen kann, da
doch novatio simplex und novatio per delegationem etc. wesentlich
gleichartig sind; weder Delegations-Novation, noch einfache Novation,
noch Verbürgung kann ich als formelle Verträge, bei denen von jeder
speziellen causa abstrahirt wird, anseheu, denn der animus novandi
und intercedendi scheinen mir selbst die Eigenschaft einer sprciellen
causa zu haben, und gehören doch „zur Substantia der Obligation."
In Betreff des Wechsels theilt der Verf. die gegenwärtig
ziemlich allgemein herrschende Annahme, daß die Wcchselausstclluug
ein Formalakt sei, in dem zuvor fcstgestellteu Sinne. Er erlaubt
sich bei Gelegenheit dieser Erörterung eine Abschweifung (S. 73—84),
indem er mit Polemik gegen Cropp und Th öl feststellt, es liege
im Wesen der Trakte und kaufmännischen Anweisung, daß in der
Trassirung der Doppelauftrag an den Trassaten zu zahlen und zur
vorläufigen Sicherung der Erfüllung dieses Prinzipalauftrages zu

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer