Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

I. Unger: Die rechtliche Naim bcr Jnhaberpapier«. 497
kaum als principieller Vertreter irgend einer Theorie in Betracht kom-
men. Die vom Verf. ausgestellte dritte Gruppe hat allerdings daS
Gemeinsame, daß die ihr Zugehörigen das Jnhaberpapier als eine
BeweiSurkunde auffaffen, allein das Wesentliche ihrer gemeinsamen
Ansicht und Unterscheidung von den ersten zwei Gruppen scheint mir
nicht in dieser Positive, sondern vielmehr in der Negative zu bestehen,
daß daS Papier weder Geld noch Waare sei, oder allenfalls in der
Positive, daß dem Papiere ein obligatorisches Element imma-
nent sei; denn die Meisten der hier vom Verf. Genannten betonen
sogar ausdrücklich, daß das Papier nicht b l oß Bewcisurkunde, son-
dern ganz wesentlich etwaS Mehreres sei; der Vers, hat mithin ein
Moment, welches bei diesen als Nebenpunkt erscheint, zum Prinzip
jener Gruppirung erhoben; wollte er das Prinzip aber einmal auf-
stellrn, so mußte er dann derselben Gruppe auch v. Savigny,
Bluntschli, Beseler, und selbst v. Gerber und Jhering
beizählen, deren keiner die Eigenschaft des Papieres als Bewcisur-
kunde in Abrede stellt. Es scheint mir demgemäß das Richtigere,
drei Gruppen aufznstellen, welche als die publizistische (Geld), mcr
kantilistische (Waare) und civilistische (Obligation) bezeichnet werden
können; wie die letztere größte Gruppe wieder in Unterabtheilungrn
gegliedert werden könne (indem etwa v. Gönner und v. Savigny
als die beiden Pole entgegengesetzter Auffassung, der spiritualistischen und
materialistischen, je nach der Vordrängung des obligatorischen oder sachli-
chen Bestandtheils angesehen werden dürften), darüber kann ich mich um
so mehr einer weiteren Ausfübrunng hier enthalten, als ich sie in
der von mir jetzt veröffentlichten Monographie (§. 44 flg.) gegeben habe.
IV. Was die hinzugefügtc Polemik betrifft, so bemerkt der
Verf. gegen die Geldtheorie mit Recht, daß, während das Geld Sache
sei, dies Jnhaberpapier eine Obligation enthalte; wenn er aber als
tieferliegendes Kriterium hinzufügt, „daß das Papiergeld Geldvor-
stellungszeichen, mithin allgemeines Wertbzrichen, das Jnhaberpapier
das nicht sei", so kann ich im Gegentbeil in dieser Unterscheidung
nicht ein tieferes (juristisches) Critcrium, sondern nur die Betonung
eineS nationalökonomischcn PrinziprS entdecken, womit der Jurist
natürlich nicht befriedigt werden kann. Das von Anderen, und zwar
weitaus den Meisten ausgestellte Kriterium, daß nämlich das Papier-
geld Zwangskurs habe, welcher den Jnhaberpapirren mangle, ver-
wirft der Verf.; ich meine, mit Unrecht, denn ohne Zwangskurs

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