Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Stahl: Die Philosophie de« Rechts.

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welcher jetzt in weiten Kreisen mit dem Begriffe der Persönlichkeit
getrieben wird, stammt aus dem allerdings nothwendigen Kampfe
gegen den Pantheismus. Dem religiösen Glauben liegt in der That
in erster Stelle daran, sowohl Gott als den Menschen als Person
vorzustellen. Aber man übertreibt die Sache. Es ist ein wissen-
schaftlicher Fehler, ohne weiteres in das Wesen der Person alle mög-
lichen Vollkommenheiten hinein zu legen; denn Persönlichkeit an sich
nur ein dürrer theoretischer Begriff, ist weiter nichts als Selbst-
bewußtsein. Diesem aber kann nicht an und für sich eine sitt-
liche Würde beigelegt werden, sondern nur in Rücksicht darauf, daß
es die Bedingung ist, unter welcher das Gute geschehen oder vor-
handen sein kann. Die Persönlichkeit erhält also ihre Würde nur
von den sittlichen Ideen zu Leben, und kann daher wiffcnschaftlich
nicht als die absolute Norm oder als der höchste Titel des Lobes
vorangcstellt werden. — Man macht sich allerdings die Sache sehr
leicht, wenn man vermittelst der intellectualen Anschauung in daö
Wesen der Person alle möglichen sittlichen Eigenschaften hineinschaut;
dann braucht man sich nicht in die schwierigen Untersuchungen über
das Fundament der Ethik einzulaffen, aber man betrügt sich dann
auch um die Präcision der sittlichen Begriffe, und geräth in Gefahr
Nichtsittliches, wobl gar Unsittliches für sittlich zu halten.
Sehen wir nun auf St ab l's beide Principien für die Ge-
staltung der Rechtsordnung zurück, so zerfällt offenbar sein erstes
Princip wieder in zwei Prineipicn, nämlich: die gegebenen Natur-
verbältnisic und die Idee der vollkommenen Persönlichkeit. Es war
daber überflüssig noch ein zweites sccundäres Princip: daS subjective
Recht, einzufübren. Denn wo dieses eben auf der Persönlichkeit
rubeu soll, welcher kraft ihrer Sclbstursäch lichkeit angeblich
ein verliehenes Reckt zum eignen werden soll, so ist dieses
secundare Princip schon in dem ersten mitenthalten. Ohne allen
pomphaften Wortapparat rcdncirt sich also die Sache einfach darauf,
daß Stahl bei der Bestimmung dessen, was Recht sein soll, zugleich
die gegebenen Naturvcrhältnisse und die Idee der Persönlichkeit, in
welcher ihm alle sittlichen Ideen cingcschloffcn liegen, berücksichtigt
wissen will.
Während nun hierin ein großer Vorzug Stahl's vor dem
Naturrechte besteht, daß er aus der Idee der Persönlichkeit nicht
bloß den Begriff der Freiheit herausnimmt, um aus diesen allein

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