Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Fitting: Ueber den Begriff der Nückztehung. 37
Aus der Betrachtung dieser Fälle leitet der Vers, folgende Be«
stimmung des Wesens der Rückziehung her. Es handele sich bei
derselben immer darum, daß durch einen späteren Umstand die eigent-
liche wahre Natur eines vorhergehenden Zustandes offenbar und be-
stimmt werde; die über die eigentliche rechtliche Beschaffenheit eines
Verhältnisses herrschende Ungewißheit verschwinde durch den Ausfall,
die Gestaltung eines späteren Ereignisses. Dieses Wesen der Rück-
ziehung werde auch in zwei Stellen, welche der Verfasser sogar bei
der Untersuchnng an die Spitze stellt, ausdrücklich anerkannt: I. 15.
I). de reb. dub.: quaedam sunt, in quibus res dubia est, sed ex
post facto retroducitur et apparet, quid actum est, — und 1. 98.
§. 3. D. de sol.: — sitque et hoc ex his, quae post factis, in
praeteritum quid fuerit, declarent. — Ref. hat hierzu Folgendes zu
bemerken. Man könnte zunächst daö, was der Verf. sagt, so verstehen
wollen, daß es sich bet der Rückziehuug immer um Fälle handele,
denen das Recht ihre juristische Bestimmtheit einstweilen noch nicht zu
geben im Stande sei, so daß cs sie für jetzt ganz unbestimmt lasse, und
erst in späterer Zeit erkläre, welcher rechtliche Zustand in der frühe-
ren vorhanden gewesen sei. Dieses Verhältniß findet nun auch aller-
dings bei der Rückziehnng zuweilen wirklich statt, — so, wenn der
Römer in feindliche Gefangenschaft gcräth, wo das Recht wartet, bis
er znrückkehrt oder gestorben ist, ehe er sagt, welches der rechtliche Zu-
stand während seiner Gefangenschaft gewesen ist, oder wenn der Nieß-
brauchösclave etwas erwirbt, welchen Erwerb das Recht nicht eher
vergibt, bis sich herauSgcstcllt hat, ob der Entgelt für denselben aus
dem Vermögen deS Nießbrauchers oder ans dem des ProprietarS ge-
nommen ist. Aber cS ist ganz und gar nicht nothwendig, daß eS
sich bei der Rückziehung in dieser Weise verhalte. Der rechtliche Zustand,
welcher in Folge eines Testaments stattfindet, dem eine querela inofficiosi
entgegcnsteht (Nr. (j), oder in Folge der dominii impetratio während
der Cinlösungsfrist (Nr. 7), oder auch in Betreff des peculium ca-
strense bei Lebzeiten deS Sohnes lNr. H. ist gleich jetzt vollständig
bestimmt, und unterliegt nur einer möglichen spätem, aber sich auf
den Anfang zurückerstreckenden Wiederaufhebung. Also muß in der
Begriffsbestimmung des Verf. daö urgirt werden, daß die eigentliche
rechtliche Natur eines Zustandes erst durch einen späteren Umstand offen-
bart werde. Hält man sich aber hieran, so sagt jene Begriffsbestim-
mung nichts Anderes, als daß bei der Rückziehung das Recht eine

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