Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

372 Zimmerle; Das deutsche Stammgutssystem.
Die Hereditas (das Eigen des Sachsenspiegels) aber soll in dem-
selben Falle erst dem nächsten Erben käuflich angeboten werden, dann
Dem, zu welchem man in einem Schntzvcrhältnisse steht. Machen
solche von ihrer Bcfugniß keinen Gebrauch, so hat man freies Ver-
fügungsrecht. — Im Wesentlichen findet sich bereits dieselbe Ansicht
bet Gaupp, Recht und Vers, der alten Sachsen S. 202, Gerber
I. e. pag. 6, SandhaaS, germanistische Abhandl. S. 185.
Die Rex Ripuariorum gicbt in Titel XI-,VIII verbunden
mit Tit. XRIX gleichfalls den Erben ein Einspruchsrecht. Hat Je-
mand Descondenten, so kann er ohne deren Zustimmung keine Art
von Veräußerung vornehmen. Asccndentcn und Scitenverwandten
steht dagegen das Widerspruchsrccht blos bei derjenigen Affatomie
zu, welche Eigenthum überträgt, nicht bei einer solchen, durch die
ein Nießbrauch bestellt wird. Frei gestattet sind Veräußerungen an
die Kirche oder in echter Noth. — Diese vom Verfasser S. 48 vor-
getragene Meinung stützt sich auf Eichhorn, Deutsche Staats- und
Rechtsgesch. I. S. 57 Note 5, 10.
Mit Recht findet Zimmerle Seite 51 auch in der Rex
Rasuvariorulll unser Einspruchsrecht. Die hierher gehörigen
Stellen sind Tit XIV cap. 903 und Tit. I cap. 1. Aus ihnen
ergiebt sich Folgendes. Zu Schenkungen und Vergabung von Grund-
stücken bedarf cs der Genehmigung der nächsten Erben. Ausgenom-
men sind die an die Kirche. Bei diesen verlieren die Verwandten
ihre Berechtigung, die Söhne erhalten jedoch dafür einen Anspruch
aus Abfindung. Eine weitere Beschränkung jenes Erbenrechts liegt
auch in dem gesetzlichen Nießbrauche der Frau. Ja, der verwand-
ten lose Ehemann ist zu Schenkungen an sein Weib befugt, ohne
daß der Fiscus, welcher als Erbe erscheint, Widerspruch erheben
könnte*). Uebrigens enthält die Rex Bafuva, Herum nichts über das
Recht der Erben bet onerosen Veräußerungen. Daß diese gleich den
Schenkungen behandelt werden, darf man keineswegs so ohne Weite-
res annehmen. Jedenfalls sprechen weniger Gründe für ein Ein-
spruchsrecht bet jenen Geschäften. Vermuthlich war hier die Zu-
stimmung der Erben nicht erforderlich. Der Verfasser schweigt über
diesen Punkt. Die Rex Alamannorum will wohl Aehnliches
wie die R. Bajuvariorum. Vgl. R. Alam. Tit. I c. 1, 2; Tit. II

*) Vgl. Sandhaar a. a. O. S. 183.

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