Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

38. Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts

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Jhering: Jahrbücher für die Dogmatik.

Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und beut-
schen Privatrechts. HerauSgegeben von C. F. v. Gerber und R.
Jhering. Jena bet F. Mauke 1856.
Die Jahrbücher, deren erster Band jetzt vollendet vor uns liegt,
treten mit einer bestimmten, prononcirten Tendenz aus; sie haben
sich ein hohes, bedeutendes Ziel gestellt.
Jh erin g spricht sich in dem Einleitungsartikel „unsre Aufgabe"
darüber aus. Er erkennt die Art der literarischen Thätigkeit die in
den bestehenden Zeitschriften wenigstens vorzugsweise vertreten ist, als
durchaus berechtigt und nothwendig an, er hat nicht die
Absicht in einen feindlichen Gegensatz zu denselben zu treten, aber
gerade in der reichlichen Vertretung, deren sie sich in ihnen erfreut,
findet er den Grund die Spalten der Jahrbücher vorzugsweise den
Aufgaben der produktiven, der hoher» Jurisprudenz vor-
zubehalten (S. 30).
Unter produktiver Jurisprudenz versteht Jhering im Gegen-
satz zu receptivcr, das Aufsuchen der allgemeinen Prinzipien der
Gesetzgebung, das Operiren mit denselben, das Ziehen weiterer Con-
sequenzen. Höhere Jurisprudenz aber im Gegensatz zu niederer ist
ihm die Gewinnung des Rechtsbegriffs, welcher den verschie-
denen Rcchtsregeln zu Grunde liegt, die Gestaltung eines juristi-
schen Körpers, die naturhistorische Betrachtung desselben, über-
haupt die juristische Construktion des Rechtsstoffs (S. 9 u. 10).
Neben juristischer Construktion in diesem Sinn soll das Destnriren
des Veralteten, spezifisch Römischen, die Aufgabe der Jahrbücher
sein.
Selten hat wohl ein Programm heftigere und gereiztere An-
fechtungen hervorgerusen. Wir bedauern tief ihre Schärfe und Per-
sönlichkeit. Arbeiter wie Jhering und Gerber gehören ohne
Zweifel zu den hervorragendsten Erscheinungen in der juristischen
Literatur, wir ehren uns nicht, wenn wir solche Männer nicht achten;
selbst die Opposition darf den Respekt nicht verläugnen, den wir dem
Talent, dem Genie schuldig sind.
Viele der heftigsten Angriffe verdanken ihre Entstehung nur
Mißdeutungen. Sie sind halb und halb entschuldigt nicht aber
gerechtfertigt dadurch, daß I h e r i n g seine Aeußerungen nicht selten
aus die Spitze treibt. So findet sich fast im Anfang seines Auf-

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