Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Goldschmidt: Entwurf eines preuß. Handelsgesetzbuchs. 351

bezieht. Aber auch gegen Kopfthcile (vgl. oben S. 308. 309) spre-
chen hier entscheidende Gründe, namentlich die beschränkte Haftung
des Commanditisten. Am gerechtesten dürfte noch, wenn nicht, mit
Brinckmann, auf jedes gesetzliche Prinzip verzichtet werden soll, für
die einfache Commandttengesellschaft folgende Combination sein:
Gewinn und Verlust fallen zur Hälfte dem Complementar, zur
Hälfte den Commanditisten zu. Mehreren Complementaren gegen-
über erhalten mehrere Commanditisten zusammen nur einen Kopf-
thetl, an welchem sie unter einander nach Verhältniß ihrer Einlagen
participiren. Arbeitseinlagen eines Commanditisten stehen den gering-
sten Capitaleinlagen gleich.
2. Zinsen werden im Zweifel von den Einlagen nicht berechnet
(»rt. 151. alin. 2).
Das entspricht den oben für die offene Gesellschaft vertheidigten
Prinzipien (S. 309—313).
3. Der Gewinn wird alljährlich zur Bilanzzeit vertheilt und
ausgezahlt. Zst jedoch die ursprüngliche Einlage durch Verlust ver-
mindert, so muß der spätere Gewinn zunächst zu deren Wiederer-
gänzung verwendet werden (art. 131. alin. 1. art. 152).
Es genügt auf die obigen Ausführungen zu verweisen, welche
die Nichtigkeit dieses Grundsatzes auch für die offene Gesellschaft dar-
legten (S. 313—317).
4. Der stille Gesellschafter ist nicht verpflichtet, den in gutem
Glauben bezogenen Gewinn zurückzuzablen (art. 151. alin. 3).
Dieser Satz ist nur eine Conscquenz aus den zu 3 angenommenen
Prinzipien. Nur hätte das Gewicht nicht auf den guten Glauben
des Commanditisten, sondern auf die objectiv richtige Berech-
nung und Vcrtheilung zur gesetzlichen oder vertragsmäßigen Bilanz-
zcit gelegt werden müssen*). Zu einer crceptionellen Begünstigung
des guten Glaubens liegt hier keine Veranlassung vor. Anders bei
der Commandttengesellschaft auf Aktien.
VI. Die Sicherung der Gesellschaftsgläubiger hat »rt. 153
zum Zweck:
„Die Einlagen der stillen Gesellschafter können während

*) Meine Abhandlung S. 67. 68. Thöl §. 42 a. E. Brinckmann
S. 218. 219.

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