Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

348 Goldschmidt: Entwurf eine? preuß. Handelsgesetzbuchs.
tung wird durch die Erfahrung widerlegt*), der Beweis der zwei-
ten müßte völlig mißlingen.
Man will den Geranten schützen und das Publikum.
Der Gerant soll kein Strohmann sein.
Der Zweck ist gut, das gewählte Mittel jedoch ganz unzurei-
chend. Ist der Gerant ein Mann von Charakter, Vermögen, Unter-
nehmungsgeist, so wird er schwerlich eine allzugroße Beschränkung
seiner Alleinherrschaft dulden. Ist er dagegen nichts von alle dem,
ist er ein bloßeö Werkzeug der stillen Gesellschafter, vollführt er nur
deren Willen, so erscheint es als gleichgültig, ob die wirklichen Ge-
schäftsherren hinter der Scene wirken — wozu ihnen nach dem Ent-
wurf vollkommene Freiheit bleibt —, oder ob sie neben dem Geranten
an dem Handelsbetrieb nach außen sich betheiligen; ob der Gerant
die Geschäfte macht, welche die Commanditisten ihm vorschreiben,
oder ob diese selbst im Namen der Gesellschaft ste abschließen.
Die Gefahr für das Publikum ist in beiden Fällen gleich
groß, ja noch größer im ersten, weil die stillen Gesellschafter doch
mindestens den Verlust des Gesellschaftsvermögens riskiren, und darum
vorsichtiger zu Werke gehen dürften als der Schatte von Gerant
„der Mann ohne Ehre und Vermögen". Einem solchen wird auch
das Publikum schwerlich trauen, weder seinem Wollen noch seinem
Können, und thut es daö dennoch, so mag es seinen Verlust nicht
dem ungenügenden Gesetz, sondern seiner eigenen Leichtgläubigkeit bei-
messen. Gegen Täuschungen über die Stellung der handelnden Per-
sonen ist es, wie oben gezeigt worden, hinlänglich gesichert.
Das Verbot ist somit nicht allein nutzlos, es läßt sich auch
direct auf die leichteste Weise umgehen. Der Commandittst, welchem
der Gerant die Einmischung in die Geschäftsführung gestattet, wird
zwar nicht im Namen der Gesellschaft, aber doch als deren Com-
missionär, voraussichtlich gegen gehörige Deckung, Geschäfte machen,
und sich obenein seine Thättgkeit noch besonders bezahlen lassen. Oder
statt Commanditengeld auf Gewinn und Verlust hinzugeben, gewährt
man dem Geranten ein verzinsliches Darlehn und tritt überdies als
Handlungsgehülfe mit Gewinnantheil bei demselben ein — ein Ver-
hältniß, auf welches wir sogleich zurückkommen.
*) Wenigstens für die einfache Commandttengesrllfchast, auf welche allein,
nach art. 169, da- Verbot sich bezieht.

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