Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Borne nr ann: Die RechtSentwickelung in Deutschland.

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Ordnungen wurde das reiche Rechtömatertale niedergelegt. Die Par-
tikularität des einheimischen Rechtes, welche seit dem Beginn des Ein-
dringens des römischen Rechtes neue Blüthen trieb, war damit voll-
endet und in sich abgeschlossen. Aus den Particularrechten entwickelte sich
seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts eine neue Einheitsbcstrcbnng, die
Idee eines gemeinen deutschen Privatrcchtes, in der Begründung schwer,
fruchtbringend dagegen in der Absonderuitg des nationalen Rechts von
dem römischen Rechtsstoff. Der letztere war von den deutschen Rechts-
schulen im germanischen Sinne fortgebildet worden und sirirte sich
im Laufe des 18. Jahrhunderts in der Darjes-Ncttclbladt'schen Schule
zu einem wohlabgerundeten Rechtsganzcn. Der von dieser Schule
aus einheimischen und fremden Rechten zusammcngefügte Stoff rettete
sich zur rechten Zeit in das Laudrecht hinein, wie dermaleinst
das römische Recht in die justinianische Compilation. Das preußische
Landrecht wird für alle künftigen Zeiten als ein ehrwürdiges Denk-
mal deutscher Rcchtsgeschichte geachtet und geehrt werden. Der Ernst
seiner Aufrichtung, seine innere Gediegenheit leisten Bürgschaft dafür.
Aber dasselbe war für stabile Zeiten berechnet. Das gewaltsame
Brechen mit den tobten Formen des ererbten Lehnstaates jenseits des
Rheines am Schluffe des vorigen Jahrhunderts äußerte von Anfang
an auf das zersplitterte Deutschland den mächtigsten Einfluß. Ritter
Hugo und seine Anhänger rissen das von der Schule der Wolf'schen
Juristen zusammengetragene Rcchtsmateriale gewaltsam auseinander
und stellten das römische Recht in seiner reinsten Reinheit dar. Die
politischen Verhältnisse Deutschlands, die spätere Einführung des Locke
Kapoleon in einem großen Theile des Vaterlandes leisteten diesen
Bestrebungen den größten Vorschub. Die beiden größten Staaten
Deutschlands wurden gewaltsam in diese Rechtserschütterungen htn-
eingezogen. Preußen brach willig mit den veralteten Satzungen seines
Landrechts in Beziehung auf die Lehre von der Abgeschlossenheit der
Stände, und gab dem Landwirthschafts- und Gewerbe-Recht eine
zeitgemäße Richtung. Oesterreich war gcnöthigt, dem Umsichgreifen
des überrhetnifchen Rechts durch ein eigen geschaffenes Gesetzbuch einen
Damm entgegen zu stellen. Nach der Restauration erwachten nach
und nach die Germanisten aus einem vieljährtgen Schlafe. Was sie
geleistet haben, ist bekannt. Die einzelnen deutschen Staaten suchten
entweder im Wege der Novellen, oder durch umfassende Gesetzgebungen
ihren Rechtözustand der Neuzeit anzupaffen. — Das geistige Eigen-

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