Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

308 Goldschmidt: Entwurf eine- preuß. Handelsgesetzbuchs.

Dienste (A.L.R. I. 17. §. 257. Dr. M. W. No. 71) unter allen
Umständen eine unveränderliche, feste Vergütung gewährt werde.
Alsdann lägen nicht mehr Gesellschaftsvertrag, sondern zinsbares
Darlehn oder Dienstmiethe vor, gleichviel ob dem Gläubiger gegen-
über eine Haftung begründet ist oder nicht*). Diese Ausnahme
wäre daher beizufügen.
In dem sinnreichen, aber complicirten System, welches der Ent-
wurf für den Fall mangelnder Verabredung aufstellt (art. 109.110.
112), sind folgende Punkte zu scheiden:
a) Die jährliche Gewinn- und Verlustberechnung nach
Aufnahme einer gehörigen Inventur und Bilanz (art. 109).
Sie entspricht dem heutigen Gewohnheitsrecht**), und ist un-
bedingt festzuhalten.
b) Gewinn und Verlust sind im Zweifel nach Kopftheilen,
nicht nach Verhältniß der Beiträge zum Societätsfond zu bestimmen
(art. 110).
Damit ist die wahre und gewiß allein haltbare Regel des Rö-
mischen Rechts***) gegenüber den sehr verschiedenartigen und vielfach
gekünstelten Bestimmungen Deutscher Stadtrechte und neuerer Gesetz-
bücher wiederhergestellt. Ein allen Eventualitäten genügendes System
ist schwer zu ermitteln, namentlich wenn Geldeinlagen und Arbeit,
theils mit einander, theils zusammen aber in verschiedenem Umfang
bei den einzelnen Gesellschaftern, concurriren. Der Versuch, das
richtige Werthverhältniß zwischen den Wirkungen der Capital- und
der Arbeitsleistungen in jedem einzelnen Falle ausfindig zu machen,
ist eben so schwierig als er in der Regel resultatlos bleiben wird.
Dem wahren Verhältniß wird darum das gesetzliche Präjudiz der
Ungleichheit meistens ebenso wenig entsprechen, als daö gesetzliche
Präjudiz der Gleichheit — aber beide werden gleichmäßig die
Wirkung haben, die Contrahenten zu entsprechenden Vertragsbestim-
mungen zu veranlassen. Muß also praktisch.durchgegriffen werden,

*) Vgl. meine Abhandlung De societate en commandite. Hallo 1851.
S. 68. 69.
**) Die Zeugnisse dafür in meiner Abhandlung S. 61.
***) Auch für dieses wird jetzt wieder die blos geometrische Gleichheit behaup-
tet von Brinz Lehrbuch der Pandekten. Erlangen 1857. S. 472. 473, aber
mit unzureichenden inneren Gründen, uud mit gezwungener GesetzeSauSlegung.

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