Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

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Fütßlin: Die Einzelhaft re.

nehmen so sehr als möglich die zum Verbrechen drängenden Lebens-
lagen zur Seltenheit zu machen, — dann erst wird man hoffen dürfen,
im Bunde mit der Schule und Kirche, die stete Hänfling der Eigen-
thumsverbrechen erheblich abnehmen zu sehen. Keinerlei verein-
zelte Maßregel und Einrichtung, auch nicht das beste Zuchthaus
für sich allein, kann Dieß jemals erreichen, und es wäre nur
lächerlich von einem Zellengefängniß ein solches Wunder zu ver-
langen. — Füeßltn, dem Schlatter (S. 184) hier Selbst-
widerspruch vorwirft, hat sich wohl nur nicht ganz scharf auögedrückt
und scheint uns nur die Art der Bemessung des Verdicnstan-
theils, beziehungsweise der Tagewerke, in Bruchsal zu mißbilligen.
Unstreitig kann in solchen Gefängnissen ein ungleich höherer Arbeit-
ertrag erzielt werden, wo, wie in den Auburn'schcn Verbrecherfabri-
ken Amerikas, Alles nur auf den größtmöglichen Nutzen aus der
Sträflingsarbeit abgesehen zu sein scheint, darum alles Andere diesem
Zweck untergeordnet, wo möglich nur einerlei, und zwar aufs
Aeußerste gctheilte, Arbeit betrieben wird; überall da hingegen wo,
wie es sein sollte, und wie Schlatter eö fodert, der Arbeit im
Gefängniß nur die Bedeutung eines Erziehungsmittels zugestanden
und sie danach eingerichtet wird, muß sie in Einzelhaft — weil sie
hier, wie Schlatter einräumt, Bedürfniß und Erholung ist —
begreiflich auch mehr ertragen als in der Gemeinschaft, wo sie nur
gezwungen verrichtet wird. Dieß bestätigt auch der steigende Ertrag
der Arbeit in Bruchsal. Die Besorgung von Hausgeschäften durch
Sträflinge — etwa 32 täglich — wozu freilich in jedem Zuchthaus
die Versuchung nahe liegt, hält Schlatter wohl mit Recht für
unpassend (etwa das Abschreiben wäre anSzunchmen Ref.), zudem
für unverträglich mit Absonderung. Sehr gut spricht er über die
Bedeutung der Kirche und Schule für das Zellengefängniß (S. 134)
und, gleich Füeßltn und dem Ref., nachdrücklich gegen die englische
Aufhebung der Absonderung während der Kirche und Schule, die,
gleichwie die Anklage der Spazierhofe als grausam (S. 177), nur
aus übertriebener Gefühlsamkeit und irrender Menschenfreundlichkeit
herrühre. Er zeigt daß umgekehrt gerade die unsichtbare, nur durch
den Kirchengesang vermittelte, Gemeinschaft viel erhebender sei und
förderlicher für die Sammlung. Hier stimmt er also nicht mit
Mittermaier überein. Hingegen bernft er sich auf Diesen, ja
sogar — höchst unglücklich — auf einen entschiedenen Gegner der

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