Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Füeßlin: Dir Einzelhaft rc.

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den in der Gesneinschafthaft fast auSnahmlos herrschenden schamlosen
Wetteifer im Bosen, durch die Nahrung aller schlimmen Leidenschaf-
ten, die stete Uebung einer jede Aufsicht vereitelnden Verstellungs-
kunst, die Verbrecher — wie ein englischer Geistlicher sage — erst
wahrhaft unverbesserlich gemacht würden. Wenn Füeßlin S. 68
und 319 f. zu den Unverbesserlichen auch „die Stammgäste der
Zuchthäuser" die wiederholt rückfälligen Diebe rechnet und
die Einzelhaft für sie „zu human" findet, so darf man diese Aeuße-
rung sicher nicht buchstäblich verstehen und kann sie einem Zuchthaus-
vorstand, dem die Erfüllung seiner schweren Aufgabe noch allerseits
erschwert wird durch verkehrte Gesetze und Verwaltungsmaßregeln
(deren verkehrteste zumal in der Schrift des Nef. S. 32. 35—41 f.
gerügt worden sind), allenfalls zu Gut halten; so gewiß man sich
auch mit Schlatter entschieden dagegen erklären muß, daß solche
Gewohnheitverbrecher gewissermaßen aufzugeben seien (S. 55). Wenn
aber Schlatter sie ebenfalls weniger milde behandelt wissen will
(wie, ist nicht gesagt S. 154 f.) und dann die, „in neuerer Zeit
cingcführtcn" (?), entsetzlichen Strafschärfungen für entbehrlich hält,
so ist nicht einzusehcn wie er diese, doch sonst (S. 204 f.) von ihm
unbedingt verworfene, Grausamkeit des Gesetzes mit der Behand-
lung im Zuchthausc in Zusammenhang bringen konnte.
Entschieden irrig will Schlatter den Antheil der Sträflinge
an ihrem Arbeitverdienst — den Füeßlin nach eigner und allge-
meiner Erfahrung mit Recht für sehr wichtig hält, zumal für die
Zeit nach der Entlassung — ganz wegsallen lassen. Ja er will
sogar in dieser thätlichcn Anerkennung des Fleißes, unbegreiflicher
Weise, eine Hauptquelle des Rückfalls sehen (S. 129 f.), anstatt
eines der wirksamsten Gegenmittel gegen ihn durch Beseitigung einer
älißerst starken Versuchung dazu. Kommen hierzu thätige Schutz-
vcreine für die Entlassenen, längere Strafzeiten für Diebstähle, auch
für den ersten, werden nicht ferner die Anfänger im Stehlen durch
Gemeinschaft zu den Meistern der Kunst in die Schule geschickt,
wird, wie auch Füeßlin verlangt, ein leitender Grundsatz über die
Behandlung aller Verbrecher und ihre Haft von Anfang bis zu Ende
entscheiden (von den Untersuchungsgefängnissen an bis zu den Zucht-
häusern), wird endlich die Gesetzgebung, zumal die Eigenthumsgesetz-
gebung (auch Füeßlin S. 349 führt als Beispiel die häufigen
Zwangvcrsteigerungen an), umfassenderen Bedacht als bisher daraus

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