Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

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Füeßltnr Die Einzelhaft rc.
mit einer Schnürbrust oder spanischen Stiefeln eine unverkennbare
Aehnlichkeit hat, also, wie alle andern Mißhandlungen, offen mit
dem Geist der Einzelhaft streitet. Schlatter sagt auch sonst viel
Gutes (S. 196 ff.) über die Ordnungstrafen, die nach ihm,
um auf den i n n e r n Menschen zu wirken, mehr negativ (durch Ent-
ziehung von Genüssen) als positiv wirken müssen; er empfiehlt überhaupt
hier das Beispiel der Milde in Filadelfia (dem man auch zu Parts
in dem Gefängniß Mazas gefolgt ist Ref.), und namentlich die sehr
empfindliche Entziehung der Arbeit, Bücher rc. (vor welcher nur
selten bet Faulen die Hungerkost den Vorzug verdienen mag, Ref.).
Die Spitze hat nach ihm Hungerkost und Dunkelhaft zu bilden, in
verschiedenen Abstufungen, in welch letzterer der gleichsam vollendete
Abschluß von der Außenwelt zwinge sich mit selbst zu beschäftigen.
Er tadelt endlich, gleich Füeßlin und dem Ref., die Grausamkeit
und den Unsinn, daß die badischen Gerichte auf diese Strafen unter
dem Schilde der „Schärfungen" ein für allemal erkennen dürfen,
— wodurch überdieß die Möglichkeit ausgeschlossen wird, sich deren
auch als Ordnungstrafen zu bedienen, wenn man die mit jenen
Schärfungen Heimgesuchten, mit deren Gesundheit dadurch geradezu ein
frevelhaftes Spiel getrieben wird, nicht vollends zu Grunde richten
will. Schlatter, der wegen Briefwechsels mit einem Diebe, den
er für einen politischen Gefangenen hielt, 48 Stunden die Dunkel-
haft an sich erprobt hat (nicht 24, wie er sagt), will es darauf
angelegt haben — aus Gründen der wurmstichigsten Jesuiten-
moral — was ihm begreiflich Niemand glaubt. Oder warum hat
er nicht auch den Zwangstuhl an sich erproben wollen? Hier und
öfter hat er es, wohl meist aus Eitelkeit, überhaupt mit der Wahr-
heit nicht ganz genau genommen; Manches, was er nun öffentlicher
Rüge werth hält, hat er nie einer Beschwerde bei den Beamten des
Hauses werth gehalten, damit eS abgestellt werde. Bet Betretung
dieses einfachen Wegs würde er auch erfahren haben, daß die Gebet-
sammlung aus der Reformationszeit, woraus er so vieles Anstößige
mittheilt, nur durch ein Versehen in die Büchersammlung des Hauses
gerieth und daß die Hausgeistltchen sie für ebenso unpassend halten
wie er. Auch hat er eine Stelle aus des Ref. Gutachten, die zu-
nächst auf den finstern und lieblosen Geist des Wirkens einzeler
englischen Geistlichen zielte, jetzt in einem Zusammenhang mitge-
theilt, daß ihr Bezug auf jene Männer ganz nahe gelegt wird, wo-

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