Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

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Füeßlin: Die Einzelhaft rc.

diese Anstalt keine Einzelhaft hat, obwohl sie im Uebrigen, wegen
ihrer vortrefflichen Leitung durch einen Mann, der Erzieher von Fach
ist und wegen der leichter zu übersehenden, nicht 100 durchschnittlich
betragenden Zahl der Sträflinge, wegen der verschiedenartigen sehr
paffenden Beschäftigung derselben u. s. f., gewiß soviel leistet als
sich nur inimer von einer auf Gemeinschaftfuß eingerichteten Strafan-
stalt erwarten läßt, und jedenfalls unvergleichlich mehr als die weit
über Verdienst gepriesenen, von Obermaicr — von dessen s. g.
„System" nicht abzusehen ist, worin cs bestehen soll — eingerichte-
ten Zuchthäuser geleistet haben und wegen zahlreicher Verkehrtheiten,
als da sind: gegenseitige Angeberei, äußerst unpassende Arbeiten,
wie Spinnen u. s. f. leisten können. — Das Füeßlin'sche Buch
bespricht mehr oder minder ausführlich die Entwickelungögcschichte
des Gesängnißwesens, die versuchten verschiedenen Haftweisen, zumal
das Wesen und die Vorzüge der Einzelhaft, sowie sämmtliche gegen
sie vorgebrachten Eiiuvürfe, ferner die Zahl der Sträflinge und der
Angestellten des Bruchsaler Zcllengefängniffes, den Gottesdienst und
das gesammte Wirken der Geistlichen (aus deren Beobachtungen höchst
lehrreiche Mittheiluugcn gemacht werden), die Gefängnißschule und
Bibliothek, die Behandlung der Sträflinge in aller Hinsicht bis ins
Einzele (besonders auch bei ihrer Einlieferung und Entlassung, hin-
sichtlich ihrer Begnadigungsgesuche, Gcmüthsbcwcgungen und Ge-
wissensbisse), ebenso den Gcwerbbetrieb der Anstalt, deren Beaufsich-
tigung und Leitung, daS Betragen der Gefangenen und die Ord-
nungstrafen, die dermalen noch mehrfach störenden Verhältnisse, ganz
besonders eingehend Alles was die Gesundheitpflege, den Kranken-
stand, namentlich die Geisteskrankheiten, die Selbstmorde und die
Sterblichkeit betrifft, endlich die Frage: welche Verurtheilte der Ein-
zelhaft unterworfen werden können und auf wie lange? und Was
von den neuen englischen Aenderungen der Einzelhaft z» halten sei?
— Den Schluß deö Buchs bildet eine Anzahl von Urthcilen gebil-
deter und ungebildeter Gefangenen selbst über die Einzelhaft.
Sehr zweckmäßig wird es Jeder finden, der die bei uns noch
immer bestehenden Vorurtheile gegen die Trennungshaft kennt, die
zumeist nur in völlig sachwidrigen Einbildungen, also in Unkenntnisi,
ihren Grund haben, daß Füeßlin vorzüglich die Gesundheit- und
Gewerbfrage so sehr im Einzclen beleuchtet hat. Wir hätten lebhaft
gewünscht, da wir das: in verbis simus faeiles für sehr gewagt

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