Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

232 Köllner: Die Grundzüge der Oblig. Negotiorum gestorum.

Hott zu sein, wenn es heißt, daß Jemand der ein fremdes Geschäft
wissentlich nur in eignem Interesse vornimmt, doch den Willen habe
ein fremdes Geschäft ;tt führen. Es ist eine Argumentation mit
dem unbestimmten, vieldeutigen Worte Geschäft, dessen engere und
weitere Bedeutung hier zusammengcworfen werden. In der That ist
die Sache diese: wer in fremde Angelegenheiten übergreift um eignen
Vortheils willen, hat zwar die Absicht dies zu thun (insofern kann
man sagen: fremde Geschäfte führt er); allein diejenige Handlung,
dasjenige Rechtsgeschäft welches er nun wirklich zu eignem Nutzen
vornimmt, will er keineswegs für den Andern, keineswegs
als ein fremdes besorgen: und daher heißt es denn auch:
„si quis negotia mea gessit non mei contemplatione, sed sui lucri
causa, Labeo scripsit, suum eum potius, quam meum negotium
gessisse“, eine Stelle, worin die doppelte Bedeutung von negotium
ebenso hervortritt. Wir müssen cö daher läugnen, daß mit dem
Bewußtsein des Uebergriffs in fremde Angelegenheiten nothwen-
dig schon der Wille ein fremdes Geschäft zu besorgen verbunden
sei: und wenn Verfasser den Begriss des animus aliena neg. gerendi
soweit verflüchtigt, daß er ihn mit dem Bewußtsein des Uebergriffs
identificirt, so ist nicht einzusehen, welche obligatorische Kraft diesen
Requisit noch inne wohnen konnte: von dem ursprünglich zur Begrün-
dung der Verpflichtung des Gestor geforderten „Willen den Geschäfts-
herrn zu vertreten" ist jedenfalls Nichts mehr übrig geblieben.
Indem Verfasser den animus neg. al. gerendi allgemein, und
zwar ausdrücklich auch für die directa verlangt, tritt er in
Gegensatz zu der allgemein anerkannten Theorie. Abgesehen von
den allgemeinen Gründen, die wir beleuchtet haben, beruft er
sich auf 1. 6 §. 4 h. t. Nam et si cui mandavero, ut meum
negotium gerat, quod mihi tecum erat commune, dicendum esse
Labeo ait, si et tuum gessit sciens, negotiorum gestorum eum
tibi teneri. Verfasser legt auf das „ scie ns“ den größten Nach-
druck und schließt a contrario.
Allein Verfasser übersieht in dieser Stelle ein wesentliches Merk-
mal des entschiedenen Falles, wodurch eben eine allgemeine Schluß-
folgerung unzulässig wird. — Die Ansicht des Gestor ist überall
dann von größter Wichtigkeit, wenn es sich um Entscheidung der
Frage handelt, welcher von Mehreren, die materiell von dem Geschäft
berührt werden, als Geschäftsherr, dominus negotii, zu behandeln

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