Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Kellner: Die Grunbzüge der Oblig. Negotiorum gestorum. 229

Grenze zum Unrecht wird nur durch dies letztere Moment gebildet,
welches jene beiden zugleich mit in sich faßt. Die Jncorrectheit tritt
am deutlichsten darin hervor, daß Verfasser behauptet, bei einem
Mangel in den angeführten objectiven Gründen, könne die oblig.
negot. gestor, niemals entstehen und schließlich doch daraus hinaus-
kommt, daß der Mangel einer Belästigung vollständig genüge, wor-
über das Urtheil vom richterlichen Ermessen abhänge. Wir sind
zwar an solche Jncorrecthciten in unfern Compcndien gewöhnt und
sie lassen sich hier durch gewisse didaktische Rücksichten entschuldigen:
allein in einer Monographie sollten sie nicht erscheinen.
Schlimmer wird die Sache noch bei den subjcctiven Gründen.
Denn auch wenn der Gestor eine ganz andere Person sich als Herr des
Geschäfts dächte und folglich gegen den wirklichen weder Freundschaft
und Liebe, noch Pflichtgefühl hegte bei der Einmischung, wird dennoch
dieser obligirt; ja es kann sogar dasselbe eintrctcn, wenn der Gestor
nur um Gewinn zu machen daö Geschäft unternahm — und also
gerade diejenige Absicht vorhanden war, welche Verfasser als das
Gegentheil derjenigen bezeichnet, welche den snbjcctiven Unter-
scheidungsgrund der negot. gestio bildet.
Ziehen wir also das Facit dieser Erörterungen des Verfassers,
so ergibt sich: auf die subjcctiven Gründe kommt gar nichts
an — und unter den objectiven ist nur der eine von Wichtig-
keit: Mangel einer Belästigung, so daß demnach bei Vorhandensein
dieses negativen Moments recht wohl eine oblig. neg. gest.
entstehen kann. Mit andern Worten: Voraussetzung der oblig. negot.
gestor, ist, daß eine Einmischung in fremde Angelegenheiten thatsäch-
lich stattgefunden hat, ohne daß diese als Privatdelict betrachtet wer-
den müßte; ein Resultat, welches zwar der Absicht deö Verfassers
bet seiner Deduction widerspricht, dennoch aber ihren logischen Schluß-
punkt bildet.
Im weitern Verfolge seiner Darstellung sucht Verfasser nun
durchzuführen, daß der animus aliena neg. gerendi ein
wesentliches Requisit der Obligation sei, unentbehrlich da-
her sowohl für die a. direct», wie die contraria. Dies sub-
jective Element, die Willensrichtung, wird also hier mit einer Ent-
schiedenheit betont, wie cs seit langer Zeit nicht geschehen ist: und
hierin besteht eine Eigenthümlichkeit des Verfassers.
Fragen wir nach allgemeinen Gründen, so verweist uns der

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