Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

202 Mohl: Gkschichle und Literatur der Staatrwtsscnschaften.
nung, sondern weil es in wissenschaftlicher Beziehung durchaus un-
genügend ist. Daß „die Entwicklung und der Einfluß der politischen
Theorien" wieder einmal von dem Standpunkte jenseits der Berge
aus betrachtet werde, war ganz in der Ordnung, nur fehlte es deni
Betrachter an der nvthigen Bekanntschaft mit seinem Stoffe, eine Lücke,
die auch der glühendste Eifer für die eigne Sache nicht auszufüllen
vermag. Das nach der Anlage sehr umfassende Werk des Englän-
ders (Th« history of politieal literature. London 1853) kommt in
seinem Gegenstände dem Mohl'schen Werke bedeutend näher. Es ist
nach einer Seite hin noch umfassender. Schon ein Blick auf den
Titel beider Werke (vorausgesetzt, daß der Inhalt ihm entspricht)
wird den Unterschied klar machen. Mohl gewährt uns eine Geschichte
der Staatswissenschaften, die politische Literatur ist das
Gebiet Blackey's. Schriftsteller und Schriften, die in einer Darstel-
lung der staatswissenschaftlichen Literatur keinen Platz verdienen,
dürfen in einer Geschichte der politischen Literatur nicht übergangen
werden. Ganze Volker, und bei anderen wenigstens ganze Perioden
darf der Historiograph der Staats Wissenschaft bet Seite liegen
lassen, eben weil diese Zeiten von einem wissenschaftlichen Anfassen
des Gegenstands noch keine Spuren zeigen. Wir wollen nicht verschwei-
gen, daß uns auch in einer Geschichte der politischen Literatur
das Hinaussteigen bis in die ägyptische Welt etwas pyramidal er-
scheint, aber in einer Geschichte und Literatur der Staats Wissen-
schaften wäre ein solches Zurückgehen offenbar ein reines Abgehen
vom Gegenstände. Noch ein weiterer Unterschied macht fich geltend.
Mohl giebt mehr eine Uebersicht der Schriften, B l a ck e y eine Geschichte
der Schriftsteller. Und hier sei uns gestattet einen Mangel des
Mohl'schen Werks eben darin zu finden, daß der biographische Theil
nicht vollständiger gehalten ist. So sind in dem „englischen Staats-
rechte" gerade nnr die Lebenszeit und Lebensumstände der bekannteren
Schriftsteller gegeben, während bei einer ganzen Reihe von Autoren,
die hier dem deutschen Leser wahrscheinlich zum ersten Mal vor die
Augen treten, nur »stat nominis umbra“ — denn ein bloßer Name
ist nur der Schatten eines Namens. Was nun noch die Anordnung
bet Blackey anbelangt, so ist hier die chronologische hauptentscheidend
und innerhalb der von ihr gebildeten Perioden werden die Werke
nach den Schriftstellern, nicht nach dem Stoffe aneinander gereiht.
Wollen wir znm Schluffe uns erinnern, daß ein Engländer nach

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